Dionysos und Ariadne © Salzburg Museum

Das römische Dionysos-Ariadne-Relief

Entstehungszeitraum: 1. Hälfte 3. Jhr. n. Chr.
Entstehungsort: Salzburg
Objektart: Relief
Autor: unbekannt
Artikel-Autor: Wilfried K. Kovacsovics
Material: Weißer Unterberger Marmor
Größe: H: 60 cm; B: 90 cm; T: max. 40 cm
Standort/Signatur: Salzburg Museum, ARCH 186-69
Physisch benutzbar: nein
Literatur: 

An der Nordmauer der Michaelskirche waren zahlreiche Römersteine eingelassen. Einer dieser Steine ist das Dionysos-Ariadne-Relief. Das Relief von der Michaelskirche gehört zu den qualitätsvollsten Stücken der lokalen provinzialrömischen Kunst, die das Salzburg Museum besitzt.
Auf dem einfach gerahmten Reliefbild sind Dionysos und Ariadne dargestellt. Die beiden Götter stehen aufrecht und in Frontalansicht vor uns, von Weinstöcken flankiert. Zwischen dem linken, um den sich eine Schlange windet, und der Figur des Dionysos saß ein Panther, der bis auf die linke Vorderpfote verloren ist. Eine Fotografie von 1955 führt allerdings vor Augen, dass dieser ständige Begleiter des Dionysos in Seitenansicht nach links ausgerichtet und vom linken Bein des Gottes zum Teil überschnitten, wiedergegeben gewesen war.
Dionysos selbst steht mit überkreuzten Beinen, locker und gelöst und mit dem linken Arm auf einen Pfeiler gestützt, von dem sich nur Andeutungen erhalten haben. In der Armbeuge liegt, schräggestellt, der Thyrsos (=weinlaub- und efeugeschmückter Stab der Bachantinnen), der nach unten vor seine Füße führt. Der rechte Arm ist in weit ausholender Geste über das Haupt geführt und spannt den Saum eines Mantels, der den Körper fast unverhüllt lässt und nur die Unterschenkel bedeckt. Das füllige Haar des leicht gesenkten Kopfes ist über der Stirne geknotet, vor den Schläfen sind Traubenbüschel zu sehen.

Ariadne ist bis hin zur Haartracht ähnlich gestaltet. Mit ihrer Rechten hält auch sie einen Thyrsos vor dem Pfeiler. Ihre Linke ergreift ein Stück des Mantels, der hinter dem Rücken niederfällt und, über den rechten Arm gezogen, auf der Höhe der rechten Hüfte hervortritt, um abermals nur einen Teil der Beine zu bedecken.

Den beiden Göttern gemeinsam ist ihre ruhige und entspannte Haltung. Ihr handlungsfreies Nebeneinanderstehen ist insofern selbst Motiv, als damit auf die Funktion des Reliefs als Teil eines Grabmonumentes angespielt wird.

Wir wissen, dass Dionysos, Sohn des Zeus und der Semele, als Inbegriff des Wachstums, als Gott des Weines und der Fruchtbarkeit verehrt wurde, dass er, anders ausgedrückt, in seinem Spiel und Treiben die Kräfte der Natur und des Lebens vertrat und so auch häufig mit den unendlichen Tiefen der Erde und dem Jenseits in Berührung kam. Für die bildende Kunst hatte er eine Erscheinungsform erhalten, die dem jeweiligen Wirkungskreis angepasst war; in der römischen Grabmalplastik figuriert er als jugendlicher, verweichlichter und häufig mit weiblich-grazilen Zügen aufgeputzter Gott.

Ariadne, Tochter des Minos und der Pasiphae – ursprünglich kretische Vegetationsgottheit – konnte, ihres späteren Schicksals wegen, das der Enge der minoischen Welt entband, geeignete Begleiterin und Braut des Dionysos werden. Mit ihr in Verbindung gelang es, die glückliche Stimmung des Jenseits heraufzubeschwören, die Verherrlichung eines paradiesischen Zustandes zu erzielen. Im übertragenen Sinn verhalf sie auch dazu, Überlegungen anschaulich zu machen, wonach sich der Mensch durch den Tod aus dem gewöhnlichen Dasein befreit.

Ein Vergleich mit den Darstellungen aus Rom oder anderen Gebieten des römischen Reiches zeigt, dass auf dem Salzburger Relief sonst obligatorisches Beiwerk fehlt. Nicht vorhanden sind Elemente wie das bukolische oder das ausgelassen-orgiastische, die zu einer atmosphärischen Verdichtung der dionysischen Welt hätten beitragen können.

Auch auf das sinnlich-erotische Moment scheint kaum Wert gelegt, obgleich Eros vielleicht in der (für die Götter) ungewollten, aber (für den Betrachter) nicht übersehbaren Nacktheit zum Ausdruck kommt. Dionysos und Ariadne sind darüber hinaus stellvertretend für die Verklärung und Apotheose (Erhebung von Toten in den Stand eines Halbgottes) von Verstorbenen eingesetzt, weil auf die Wiedergabe eines dem Mythos entnommenen Vorganges verzichtet ist. Im Gegensatz zum Relief aus Salzburg findet sich Dionysos z.B. auf stadtrömischen Sarkophagen (=Steinsarg) oft in den Rahmen einer mythologischen Handlung gestellt.

Erzählt wird u.a. die Auffindung der Ariadne durch ihn, nachdem sie von Theseus auf Naxos verlassen worden war. Dass dem hiesigen Bildhauer Sarkophage aus Rom bekannt gewesen sein müssen, lässt sich einem Detail entnehmen, das an der Figur des Gottes abgelesen werden kann. Die Haltung mit dem über den rechten Ellenbogen gezogenen Mantel taucht dort fast nur bei liegenden bzw. kauernden Figuren auf; so etwas an der schlafenden Ariadne oder bei Endymion, einer Gestalt, an die durch die göttliche Entrückung die Vorstellung vom frühen Tod jugendlicher Schönheit geknüpft worden ist. Als Beispiel sei ein aus Rom stammender Sarkophag des frühen 3. Jahrhunderts genannt, der sich heute in der Walters Art Museum in Baltimore, Maryland befindet. Die liegende Ariadne ist dort von verschiedenen Wesen umgeben, die zum Gefolge des Weingottes gehören. Dionysos wird aufrecht gezeigt, doch trunken und an einem Satyr gelehnt. Betrachten wir zudem einen Sarkophag in Pisa, so begegnet Dionysos zwar mit einer Gebärde, die sonst Schlafenden eigen ist, nicht aber mit übergekreuzten Beinen und an einem Pfeiler aufgestützt. Interessant ist auch, dass mit der Vereinzelung der beiden Figuren ein für sich selbst redendes Repräsentationsbild geschaffen wird. Das Salzburger Relief kennt keine anderweitigen Darstellungsinhalte als paradiesische Zuständlichkeit zu demonstrieren und das auf recht vordergründige Weise. Nur ein aus Köflach in der Steiermark kommendes Relief zeigt gewisse Ähnlichkeit; es erinnert insofern entfernt an das Beispiel aus Salzburg, als Dionysos und Ariadne darauf ebenfalls in Frontalansicht stehend und ohne Begleitfiguren dargestellt werden.

Das Relief von der Michaelskirche gehört zu den qualitätsvollsten Stücken der lokalen provinzialrömischen Kunst, die das Salzburg Museum besitzt. Sicher ist, dass es verschiedene ikonographische Besonderheiten aufweist, die über den stadtrömischen Einfluss hinausweisen. Der Bildhauer hat mit Hilfe von Musterbüchern gearbeitet, die ihm Denkmäler und Typen aus dem Süden vermittelten. Er dürfte Motive unterschiedlicher Reliefgattungen verwertet haben, ist stilistisch aber bodenständig und ohne Verbindung zu einer bestimmten Kulturlandschaft geblieben.

Auf der in Resten erhaltenen rechten Seitenfläche des Reliefs setzt sich die Weinranke fort, die das Reliefbild oben beschließt. Dies bedeutet, dass hier wenigstens ein zweiter und wahrscheinlich ebenso mit einer dionysischen Szene geschmückter Reliefblock anschloss und, dass das erhaltene Fragment der spärliche Rest eines aufwendigen Grabmals ist, das in seiner Form vielleicht einer auch in den südlichen Teilen der Provinz Norikum (diese römische Provinz umfasste im Wesentlichen die heutigen Bundesländer Salzburg, Kärnten, Steiermark, Oberösterreich, Niederösterreich und Teile von Südbayern und Slowenien) bekannten Denkmälergattung entstammt.

Die schon mehrmals geäußerte Meinung, dass der Gläubige des Mittelalters im Relief Adam und Eva zu erkennen glaubte, bleibt zwar unbeweisbare Vermutung; von der Hand zu weisen ist ein solcher Gedanke allerdings nicht ganz.


Scheibenfibel © Salzburg Museum

Eine frühmittelalterliche, vergoldete Scheibenfibel

Entstehungszeitraum: 1. Hälfte 3. Jhr. n. Chr.
Entstehungsort: Salzburg
Objektart: Relief
Autor: unbekannt
Artikel-Autor: Wilfried K. Kovacsovics
Material: Weißer Unterberger Marmor
Größe: H: 60 cm; B: 90 cm; T: max. 40 cm
Standort/Signatur: Salzburg Museum, ARCH 186-69
Physisch benutzbar: nein
Literatur: 

Im Frühmittelalter (450-1024 n. Chr) beginnt die Formung dessen, was bis 1816 das Fürsterzbistum Salzburg sein sollte. 2003-2004 wurde ein Gräberbereich im Hof des Kardinal -Schwarzenberg-Hauses ausgegraben, der vermutlich zum Umfeld der im Zentrum der Genese stehenden kirchlichen Einrichtungen, Domkirche und Kloster St. Peter, gehörte. Bemerkenswert hinsichtlich der Ausstattung ist darin die aus der Endphase der Epoche stammende Bestattung eines jungen Mädchens, die als Trachtbestandteil eine scheibenförmige Gewandspange aus vergoldetem Buntmetall aufweist.

Der Umbau des sogenannten Kardinal Schwarzenberg-Hauses Kapitelplatz 4-6 in der historischen Altstadt von Salzburg für Diözesanarchiv, Dommusik und Wohnungen machte eine Notgrabung auf einer Fläche von ca. 800 qm notwendig, die von der Landesarchäologie im Zeitraum 11. Mai 2003 und 29. April 2004 (Projekt „Domgarage“) durchgeführt wurde. Den Großteil der Finanzierung übernahmen der Bauträger Heimat Österreich und die Erzdiözese Salzburg, zu deren Wurzeln die Ergebnisse der Untersuchungen führen.

Unter massiven jüngeren Aufschüttungen von teilweise bis zu 4 Meter Mächtigkeit fanden sich 153 Skelette eines bereits 1958 von damaligen Salzburger Landesarchäologen Martin Hell (1885–1975) beim Umbau des Diözesanhauses (heute: Dombuchhandlung) angeschnittenen frühmittelalterlichen Friedhofes. Die Toten sind relativ einheitlich in West-Ost-Richtung in gestreckter Rückenlage beigesetzt, weshalb diese für das frühe Mittelalter charakteristische Art der Bestattung auch als Reihengräber bezeichnet wird.

Die Grabgruben waren mit Konglomerat-, Kalk- und Schottersteinen unterschiedlich sorgfältig ausgelegt. Die Lage der Knochen ließ in zahlreichen Fällen eine sehr enge Schnürung der Körper in Leichentücher erkennen. Holzreste deuten auf die Verwendung von Leichenbrettern oder Holzsärgen ohne Metallverbindungen hin. Der Kopf liegt manchmal auf einem sogenannten Kissenstein. Überschneidungen und Mehrfachbestattungen zeugen von einer dichten Belegung des Friedhofareals und einer Abfolge der Bestattungen über einen längeren Zeitraum.

Eine absichtliche Anordnung der Bestattungen in abgegrenzten Gruppen zeichnet sich durch eine einerseits sehr enge Belegung der Fläche und andererseits durch bis zu etwa 1,5 Meter weite Abstände zwischen den Grabgruben und der Anordnung in leicht versetzten „Reihen“ ab. Der Friedhof war im Süden durch eine Mauer begrenzt, in deren Fundament ein römischer Marmormörser und ein qualitätvolles römisches figürliches Marmorrelieffragment Verwendung fanden. Die Gräber lagen am Abhang des Festungsberges und spiegeln gut den Höhenunterschied der bereits aufgegebenen römischen Siedlungsterrassen wider, mit denen das Wohngebiet der römischen Stadt sich auch zum Festungsberg ausdehnte. Von Osten nach Westen und von Süden nach Norden besteht daher ein Geländesprung von etwa 2,20 Meter. Die römischen Baureste überlagerte stellenweise eine etwa 1 Meter starke Sandschicht, in welche die Grabgruben eingetieft waren. Ein genau über einer ehemaligen römischen Nebenstraße liegender Streifen blieb von Gräbern ausgespart, was auf die Existenz eines Weges hindeutet, der den Friedhof in Ost-West-Richtung parallel zum Hang querte.

Bis auf zwei Gräber waren sämtliche Bestattungen zum Zeitpunkt der Ausgrabung beigabenlos. Die im Laufe der Jahrhunderte vergangene Kleidung von Skelett 84 war mit einer Beinnadel im Bereich der rechten Schulter befestigt. Die einfache Nadel mit schlitzförmiger Öse ist chronologisch wenig aussagekräftig. Ein fragmentierter Silberohrring (Typus Körbchenohrring) des 7./8. Jahrhunderts am Ohr einer Frauenbestattung aus dem von Martin Hell ergrabenen Bereich gab hier erste Hinweise auf den zeitlichen Rahmen des Friedhofes. Weitere wichtige Hinweise werden jedoch einen Befund der neueren Grabung verdankt.

Nur etwa 1 Meter nördlich der Begrenzungsmauer, also weit oben am Abhang des Festungsberges jenseits des Weges, befand sich eine in Sand und humoses Erdmaterial eingetiefte Grabgrube, die keine Befestigung durch Steine erhielt. In der Grube lag ausgestreckt Skelett 17, dessen rechte Körperhälfte in leichter Seitenlage nach Norden aufgekippt war. Auch der Schädel blickte hangabwärts. Ein in Nord-Süd-Richtung den Hang schneidender, wohl neuzeitlicher Graben zerstörte den Unterteil der Grabgrube und das Skelett unterhalb der Lendenwirbel. Vermutlich durch die Störung war der erhaltene Teil des rechten Oberarmes in den Brustbereich verschoben. Die enge Lage der erhaltenen Skelettteile lässt auch für diese Bestattung die Beisetzung in einem Leichentuch vermuten.

Die Grabgrube von Skelett 17 schneidet die Südwestecke des Grabschachtes einer älteren Bestattung (Skelett 19), deren massive Störung der Wirbelsäule und Rippen auf eine gezielte Beraubung im Brustbereich schließen lässt, die im gesamten Gräberfeld bei mehreren Skeletten feststellbar war.

Trotz der massiven Zerstörungen von Skelett 17 wurde gerade diese Bestattung zur archäologischen Sensation. Der Grund ist die Auffindung einer vergoldeten Bronzefibel im linken oberen Brustbereich knapp unterhalb des Kinns. An der Stelle des rechten Ohres befand sich am Schädel noch ein einfacher Bronzeohrring. Wegen der geschlechtsspezifischen Beigaben und der Zartheit des Knochenbaues wird dieses Skelett als junges Mädchen angesprochen.

Die Frauentracht mit einer Scheibenfibel, die mittig im oberen Brustbereich die Kleidung verschloss, gibt einen ersten wichtigen chronologischen Hinweis. Sie entspricht der in der jüngeren Merowingerzeit seit dem späteren 6. Jahrhundert aus dem Mittelmeerraum und damit aus dem romanischen Kulturkreis übernommenen Trachtform der Frauen. Sie ersetzt die bis dahin übliche germanische sogenannte Vierfibeltracht. An deren Stelle tritt nun in der Frauentracht ein über den Kleidern getragener Mantel, der auf der Brust mit einer Scheibenfibel zusammengehalten wird.

Weitere Anhaltspunkte zur Zeitstellung des Grabes ergibt die Machart und Dekoration der Fibel. Die Scheibenfibel besteht aus vergoldetem Bronzeblech. Die Ränder der Scheibe mit einem Durchmesser von 2,86 cm sind leicht ausgebrochen. Auf der Rückseite befinden sich Reste der angelöteten Tragekonstruktion aus Eisen. Bogenförmige Gravuren unter der Vergoldung beweisen die Fertigung des Schmuckstückes aus einem wiederverwendeten Blech. Die in die vergoldete Oberfläche gravierte Verzierung zeigt eine von einer Kreisrille eingefasste Kombination von Kreuz- und Vierpassmotiv. Die Freiflächen sind mit eingepunzten Kreisrillen verziert. Die Fibel weicht in Machart und Dekor deutlich von den mit Edelsteineinlagen verzierten Scheibenfibeln germanischen Typs der jüngeren Merowingerzeit ab. Der Gravurdekor ähnelt zwar westfränkischen Vierpassfibeln, die typologisch jedoch von der Fibel aus der Domgarage abweichen und noch in das 6. Jahrhundert datieren. Trotz ähnlicher Form ist die Salzburger Fibel auch deutlich von den Scheibenfibeln mit Pressblechauflage zu trennen, wie sie u.a. neben den fränkischen Kerngebieten besonders auch aus der Schweiz und Italien bekannt sind.

Unterschiede bestehen auch zu den emailverzierten Exemplaren des sogenannten karantanisch-Köttlacher Kulturkreises. Die erste Stufe des karantanisch-Köttlacher Fundhorizontes (Köttlach I) kann als Ausdruck einer im Ostalpenraum beheimateten karantanischen Mischkultur des 7. Und 8. Jahrhunderts aus merowingischen und spätawarischen Elementen verstanden werden. Die jüngere durch gegossene Massenware gekennzeichnete und vom frühen 9. bis in das 10. Jahrhundert laufende Phase II ist durch Einzelfunde in Salzburg häufiger belegt und gehört zu der weite Teile Europas erfassenden karolingischen Reichskultur. In dieser jüngeren Phase sind jedoch neben den Emailscheibenfibeln auch solche aus dünnem Bronzeblech mit ziselierter Verzierung verbreitet.

Der in sich verschlungene Dekor der Fibel erinnert an zwei im 8. Jahrhundert entstandene herausragende Sakralobjekte, die mit der insularen (irischen) Kunst verbundenen sind: den Tassilokelch und das Rupertuskreuz. Eine lokale Widerspiegelung insularer (irischer) Motive in der Gravur der Scheibenfibel aus Salzburg erscheint möglich. Besonders eng ist die Verwandtschaft der Scheibenfibel aus der Domgarage in Ausführung und Motiv mit einer Schmuckscheibe aus Bronzeblech, die zwischen 1949 und 1950 in St. Egidi in der Gemeinde Murau (Steiermark) im Zusammenhang mit frühmittelalterlichen Gräbern gefunden wurde und heute im Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum aufbewahrt wird. Aus dem gleichen Kontext stammt ein einfacher, leicht kantig zusammengebogener Bronzedraht-Ohrring, der weitgehende Übereinstimmung mit dem zur Scheibenfibel gehörenden Ohrring der Bestattung aus der Salzburger Domgarage hat.

Bedauerlicherweise ist unbekannt, zu welchem der vier festgestellten Grüber in Murau die Schmuckscheibe die Schmuckscheibe gehört. Das stark fragmentierte Stück lässt eine verschlungene Kreuzornamentik mit Kreispunzen in den Freiflächen erkennen und zählt zu einer Gruppe von dünnen Blechfibeln mit ziseliertem Kreuzdekor, unter denen auch an die insulare Kunst angelehnte verschlungene Motive auftauchen. Sie sind in der Phase Köttlach II verbreitet.

Die Salzburger Fibel ist dem Zeitraum zwischen 800 und 900 n. Chr. – also dem 10. Jahrhundert – zuzuweisen. Sie ist daher jünger als der von Martin Hell 1958 gefundene Frauenschmuck und könnte damit das chronologisch obere Ende dieses Gräberfeldes markieren. Dem entspricht auch, dass die Grabgrube des Mädchengrabes mit der Scheibenfibel ältere Grabkontexte schneidet.

Die erfolgten Untersuchungen sind ein weiterer Baustein für die bislang rare archäologische Kenntnis der Siedlungsgeschichte der frühmittelalterlichen Stadt. Die Quellen erwähnen eine kleine befestigte Siedlung, das sogenannte „castrum superioris“, das zum Zeitpunkt der Ankunft Ruperts (696) wohl auf dem Festungsberg existierte. Erst mit der Einweihung des Virgildomes (774) decken sich archäologisch gesicherte Ergebnisse im Bereich der Domgrabungen mit historisch überlieferten Daten für eine Besiedlung im Tal.

Der aufgedeckte frühmittelalterliche Friedhof befand sich am Fuße des Festungsberges an einem vermutlich ins Tal führenden Weg nicht unweit des Domes. Zur genauen Beantwortung der Frage, wer die Zeitgenossen von Rupert und Virgil waren, wurden Anthropologen und Gerichtsmediziner hinzugezogen.

Eine endgültige Bearbeitung des Gräberfeldes erfolgt derzeit durch Frau Mag. Isabella Greussing (Universität Wien, Institut für Ur- und Frühgeschichte) im Rahmen einer Dissertation zu den frühmittelalterlichen Gräberfeldern Salzburgs.


Helm vom Pass Lueg © Salzburg Museum

Der Helm vom Pass Lueg

Entstehungszeitraum: 1. Hälfte 3. Jhr. n. Chr.
Entstehungsort: Salzburg
Objektart: Relief
Autor: unbekannt
Artikel-Autor: Wilfried K. Kovacsovics
Material: Weißer Unterberger Marmor
Größe: H: 60 cm; B: 90 cm; T: max. 40 cm
Standort/Signatur: Salzburg Museum, ARCH 186-69
Physisch benutzbar: nein
Literatur: 

Im Jahr 1838 entdeckte ein Maurer bei Sicherungsarbeiten im Steilgelände oberhalb des Pass Lueg über der heutigen Passstraße mehrere Gegenstände aus Bronze. Eines der Fundstücke war ein bronzezeitlicher Helm. Jahrzehnte später wurde der Helm zum Vorbild für ein Denkmal und ein Firmenlogo.

Wäre man vor die Aufgabe gestellt, die bedeutendsten prähistorischen Fundgegenstände aus Österreich zu nennen, so würde man zuerst an die „Venus von Willendorf“ (zu sehen im Naturhistorischen Museum in Wien) denken, dann an die „Schnabelkanne vom Dürrnberg“ (zu sehen im Keltenmuseum Hallein als Leihgabe des Salzburg Museum) und schließlich an den „Kultwagen von Strettweg“ (zu sehen im Archäologiemuseum Schloss Eggenberg in Graz). Spätestens danach aber müsste man den „Helm von Pass Lueg“ anführen.

„Jedes Museum der Welt muss das Salzburg Museum um diesen Helm beneiden“, schrieb Moritz Hoernes, der Jüngere (1852–1917) vor hundert Jahren. Hoernes war Begründer der Urgeschichtsforschung in Österreich und erster Professor am Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Wien.

Über die Umstände der Auffindung des Helmes liegen nur spärliche Nachrichten vor. Im Jahre 1838 stieß ein Maurer aus Hallein bei Sicherungsarbeiten im Felsgelände rund 50 Meter über der heutigen Passstraße auf den Bronzehelm, der nur „von einer dünnen Decke aus Moos“ überlagert war.

Die Fundstelle liegt im Steilgelände südlich der Passhöhe, nahe dem oberen Wehrturm der Sperrfestung aus der Zeit der Napoleonischen Kriege. Weiters wird berichtet, dass der Helm „in der Linie einer alten Straßenanlage“ zum Vorschein kam. Da die Straße seit der Römerzeit im Talgrund verlief – wie Geleisespuren belegen –, dürfte es sich um eine ältere prähistorische Wegverbindung gehandelt haben.

Auf einem Felsband hoch über dem Fluss hat man den schluchtartigen Einschnitt der Salzach – die so genannten Salzachöfen – umgangen. Der Finder verkaufte den Bronzehelm um zwei Gulden an den Silberschmied Jakob Reitsamer in Hallein, der ihn wenig später dem Salzburg Museum zum Geschenk machte.

Im Juni 1839 wurde der Sensationsfund erstmals in der historischen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften besprochen.

Schon vor der Auffindung des Helmes hatte man an derselben Stelle zahlreiche Bronzewerkzeuge aufgefunden, die jedoch zum Großteil verloren gegangen sind. Nur einige wenige Stücke gelangten in die k.k. Hofsammlungen in Wien (heute Naturhistorisches Museum), andere in das Salzburg Museum. Bei ihnen handelt es sich um drei gebrochene bzw. stark abgearbeitete Bronzepickel, wie sie im prähistorischen Kupferbergbau Verwendung fanden. Weiters um zwei Bruchstücke von Gusskuchen, drei Bronzestangen und um ein Fragment eines Beiles mit mittelständigen Schäftungslappen. Das Beilfragment liefert einen Hinweis für die Datierung des Fundes, denn bei ihm handelt es sich um eine Leitform der Späten Bronzezeit, die in das 13. Jh. v. Chr. zu datieren ist.

Der Depotfund vom Pass Lueg ist als Besitz und Reisegepäck eines wandernden Bronzeschmiedes zu deuten. Die gebrochenen, zum Wiedereinschmelzen bestimmten Gerätschaften und die Gusskuchen dienten ihm als Materialvorrat, der Helm hingegen wohl als Muster für Bestellungen. Eine drohende Gefahr muss den Bronzeschmied dazu bewogen haben, sein wertvolles Gut an dieser exponierten Stelle zu verbergen. Er ist nie mehr dazu gekommen, seinen Besitz abzuholen.

Vom Handwerklichen her zählt der Bronzehelm wohl nicht zu den Spitzenleistungen bronzezeitlicher Schmiedetechnik. Dazu sind der Zuschnitt der Bleche und die Verbindungen der Helmteile zu wenig sorgfältig ausgeführt.

Und dennoch stellt der Helm ein einzigartiges Zeugnis bronzezeitlichen Waffenhandwerks dar. Die aus dünnem Bronzeblech getriebene Helmkappe ist aus zwei Teilen zusammengefügt, die beiden Hälften hat man seitlich überlappt und zusammengebörtelt. Der Kamm ist ebenfalls zweiteilig, Acht schmale Klammern dienen als Verbindung. In den schmalen Schlitz zwischen beiden Hälften des Kammes konnten bunte Federn oder anderer Zierrat eingesteckt werden.

Die Wangenklappen waren mittels lederner Schlaufen an der Helmkappe befestigt, erkennbar an den dafür vorgesehenen Ösen. Je nach Kopfform ließ sich die Stellung der Wangenklappen verändern. Sowohl Helmkappe als auch Wangenklappen waren mit einem dicken Lederfutter versehen, das durch Klammern mit den Metallteilen verbunden war.

Noch vor dem Zusammenfügen der einzelnen Teile hat man die Verzierung mit Hilfe von Punzen eingeschlagen. Die Motive beschränken sich auf Punktreihen und gepunktete Ringe um einen Kreisbuckel.

Diese Verzierung liefert einen Hinweis auf die Entstehungszeit des Fundstücks. Nach dem deutschen Prähistoriker Hermann Müller-Karpe (1925–2013) sei der Helm „aller Wahrscheinlichkeit nach ins 13. oder 12. Jh. v. Chr. zu datieren.“ Dieser Zeitansatz wird durch das vorerwähnte Beilfragment erhärtet, das zusammen mit dem Helm aufgefunden wurde. Der Helm zählte somit zu den ältesten nördlich der Alpen. Etwa zeitgleich mit dem Salzburger Stück traten in Mitteleuropa auch andere Schutzwaffen aus Bronzeblech – Brustpanzer, Schilde und Beinschienen – in Erscheinung. Alle diese Waffen haben in Griechenland ihren Ursprung. Die ältesten Beispiele reichen dort bis in das 15. Jh. v. Chr. zurück.

Im Donauraum wurden die aus dem Süden kommenden Anregungen schon sehr früh aufgegriffen. Spätestens im 13. Jahrhundert tauchten in Ungarn und Rumänien Schutzwaffen aus Bronzeblech auf. Wenig später in weiteren Teilen Mitteleuropas. Die Verbreitung erfolgte über den Landweg, jedoch nicht über Italien, denn alle italischen Helme und Beinschienen sind jünger als die frühesten Beispiele in Mitteleuropa.

Die ältere Forschung hat den Helm vom Pass Lueg auf Grund von Vergleichen mit italischen Funden fälschlicherweise etwas jünger datiert, und zwar in das 10. oder 9. Jh. v. Chr. und damit in die ausgehende Bronzezeit. Zum Zeitpunkt der Auffindung wurde der Helm mit den Kelten in Verbindung gebracht, die in der Jüngeren Eisenzeit – in den letzten fünf Jahrhunderten vor Christus – in unserem Raum siedelten. Diese falsche Zuordnung ist dafür verantwortlich, dass man ein Standbild des keltischen Nationalhelden Vercingetorix (um 80–46 v. Chr.) mit einem nach dem Vorbild des Fundstückes vom Pass Lueg nachgebildeten Helm ausstattete.

Vercingetorix, Gegenspieler Caesars im Gallischen Krieg, organisierte im Jahre 52 v. Chr. eine nationale Erhebung gegen die römischen Besetzer, die anfangs erfolgreich verlief, dann jedoch von Caesar zerschlagen wurde.

An der Stelle dieser historischen Auseinandersetzung in Alesia – heute Alise-Saint-Reine (Burgund) – ließ Kaiser Napoleon III. im Jahre 1865 eine sechs Meter hohe Bronzestatue des Vercingetorix errichten, dessen Gesichtszüge unschwer das Porträt des „Kaiser aller Franzosen“ erkennen lassen, der sich selbst in diesem Monument als Nationalheld feiern ließ.

Die Statue trägt den Helm nicht auf dem Kopf, sondern er ist seitlich neben den Füßen abgelegt. Und er zeigt eindeutig – wie oben bereits angedeutet – die Form des Helmes vom Pass Lueg. Der Künstler hat ihm lediglich zwei seitliche Flügel angefügt.

Damit ist jedoch die Geschichte unseres Helmes noch nicht zu Ende: Als man vor etwas mehr als einem Jahrhundert in Frankreich daran ging, eine neue Zigarettenmarke zu kreieren, die nach den Kelten benannt wurde (Gauloises, die französische Bezeichnung für Gallier=Kelten), wählte man den Helm des Vercingetorix von Alesia als Markenzeichen. Das Bild des geflügelten Helmes ziert beide Seiten jeder Packung. Die ursprüngliche Vorlage, der Helm vom Pass Lueg, ist deutlich zu erkennen. Nicht nur die Form der Helmkappe und des dreilappigen, hoch ansitzenden Kammes, sondern auch jene der Wangenklappen stimmen mit dem Original überein. Auf diese Weise gelangte ein Bodenfund aus Salzburg auf Millionen von französischen Zigarettenpackungen. Auch wenn die meisten Gauloises-Packungen inzwischen in Polen produziert werden, so bleibt die Frage: Ist das eine kostenlose Werbung für das Salzburg Museum? Leider nicht, da kaum jemand um diese Zusammenhänge weiß.

Im Mai 2001 wurde am Piller in der Tiroler Ortschaft Fließ (Bezirk Landeck) als Teil eines Depotfundes das Fragment eines ähnlichen Helms entdeckt. Ein weiteres Fragment liegt aus Gastein im Salzburger Pongau vor.


Schenkungsurkunde König Heinrichs II. über das Gut Admont im Ennstal © Archiv St. Peter

Schenkungsurkunde König Heinrichs II. über das Gut Admont im Ennstal

Entstehungszeitraum: 1. Hälfte 3. Jhr. n. Chr.
Entstehungsort: Salzburg
Objektart: Relief
Autor: unbekannt
Artikel-Autor: Wilfried K. Kovacsovics
Material: Weißer Unterberger Marmor
Größe: H: 60 cm; B: 90 cm; T: max. 40 cm
Standort/Signatur: Salzburg Museum, ARCH 186-69
Physisch benutzbar: nein
Literatur: 

Ein Heiliger, ein Seliger und eine wertvolle Schenkung – die frühe Geschichte Admonts beginnt in einem prominenten Umfeld. Die Altehrwürdigkeit der Schenkungsurkunde von 1006 kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie Ausgangspunkt eines jahrzehntelangen Rechtsstreits war.

Am 7. Dezember 1006 schenkte König Heinrich II. dem Salzburger Erzbischof Hartwig das Gut „Adamunta“ in der Grafschaft Ennstal. Aus Herrschersicht dienten Schenkungen dazu, um sich die Gefolgschaft zu sichern. Der selige Erzbischof Hartwig erwies sich als konsequenter Unterstützer der ottonischen Kirchenpolitik.

König Heinrich II., der 1146 von Papst Eugen III. heiliggesprochen wurde, schenkte mehrere Güter an die Salzburger Kirche bzw. Salzburger Klöster. Bereits im Jahr 1002 übertrug Heinrich II. Besitzungen im Lungau (Mauterndorf) an Erzbischof Hartwig, die nach dessen Tod an das Domkapitel gingen. 1003 erhielt der Erzbischof Hartwig das Gut Ermannsdorf im Lungau (heute Unternberg) zugesprochen, das nach seinem Tod dem Kloster Nonnberg zufiel. 1006 schenkte Heinrich II. das Gut Schlierbach im Kremstal und am selben Tag auch das Gut Admont im Ennstal. Nach dem Tod Hartwigs sollte das Gut Admont dem Benediktinerkloster St. Peter zur Ausstattung dienen („post vero obitum suum ad usum fratrum in monasterio sancti Petri sub regula sancti Benedicti servientium succedat“).

Ausgestellt wurde die Urkunde im sächsischen Merseburg, einem Bischofssitz an der östlichen Reichsgrenze, den Heinrich II. im Jahr 1004 wiedergegründet hatte. Dass die Urkunde gerade an diesem Ort entstanden ist, hat die Ursache im Reisekönigtum, das den Herrscher durch das ganze Reich von Pfalz zu Pfalz führte.

Für eine geistliche Institution wie das Kloster St. Peter waren Schenkungen zur wirtschaftlichen Absicherungen notwendig. Nicht lange vorher, im Jahr 987, hatte Erzbischof Friedrich das Kloster vom Erzstift getrennt und dabei nur unzureichend mit Besitz ausgestattet. Die Aussicht, den Besitzstand in Zukunft durch das Gut Admont aufbessern zu können, kam dem Kloster sehr gelegen.

Aus der Urkunde geht unmissverständlich hervor, wer im Hintergrund die Fäden zog: Königin Kunigunde, die 1200 ebenfalls heiliggesprochene Gattin Heinrichs II. stellte persönlich eine Fürbitte („qualiter nos interveniente dilecta coniuge nostra Cunigunda videlicet regina“). Ganz uneigennützig war die Aktion freilich nicht, schließlich sollte die Schenkung nach der damaligen Vorstellung dem Seelenheil des Königspaars zugutekommen („pro redemptione animae nostrae“).

Am Ende kam das Kloster St. Peter allerdings nicht zum Zug. Die Schenkung wurde Jahrzehnte später dazu verwendet, um das Kloster Admont mit Besitz auszustatten. Dieses wurde 1074 vom seligen Erzbischof Gebhard gegründet und mit Mönchen aus St. Peter besiedelt. Der Rechtsstreit zwischen den Klöstern St. Peter und Admont wegen des Gutes Admont fand erst im Jahr 1229 mit einem Vergleich ein Ende.

Der Urkundentext von 1006 nach Martin/Hauthaler:

‡ In nomine sanctae et individuae trinitatis. Heinricus divina favente clementia rex. Si de terrestrium rerum facultatibus divinitus nobis collatis aecclesias dei locupletare studuerimus, decurso huius vitae agone bravio indeficienti nos coronari non diffidimus. Quapropter generaliter omnium pateat industriae, qualiter nos interveniente dilecta coniuge nostra Cunigunda videlicet regina, quoddam nostri iuris predium Adamunta dictum in comitatu Adalberonis comitis in pago Ensitala situm lubensi aecclesiae, ubi sanctus Rǒdbertus corporaliter requiescit, pro redemptione animae nostrae dilectaeque praefatae coniugis et amore Hartuici eiusdem aecclesiae pastoris per hoc regale testamentum donando firmamus, cum omnibus appendiciis et utilitatibus eidem predio adiacentibus, cum patellis scilicet patellariisque locis et cum familia utriusque sexus prout iuste ac legaliter possumus, eo videlicet tenore ut, dum predictus Hartuicus archiepiscopus vixerit, ad suum servicium habeat, post vero obitum suum ad usum fratrum in monasterio sancti Petri sub regula sancti Benedicti servientium succedat. Et ut haec nostrae auctoritatis pagina stabilis et inconvulsa in aeternum permaneat, hanc cartam inde conscriptam manu propria corroborantes sigilli nostri inpressione insigniri iussimus.

‡ Signum domni Heinrici (M) regis invictissimi. ‡

Eberhardus cancellarius vice Uuilligisi archicapellani recognovit. S.

Data VII id.   decembris,   anno   dominicae incarnationis MV,   anno vero domni Heinrici   secundi regis V; actum Merseburc; feliciter amen.


Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg © Archiv St. Peter

Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg

Entstehungszeitraum: 1. Hälfte 3. Jhr. n. Chr.
Entstehungsort: Salzburg
Objektart: Relief
Autor: unbekannt
Artikel-Autor: Wilfried K. Kovacsovics
Material: Weißer Unterberger Marmor
Größe: H: 60 cm; B: 90 cm; T: max. 40 cm
Standort/Signatur: Salzburg Museum, ARCH 186-69
Physisch benutzbar: nein
Literatur: 

Das Verbrüderungsbuch von St. Peter wird auch als „ältestes Buch Österreichs“ bezeichnet. Die frühmittelalterliche Handschrift kann mittlerweile bequem über das Internet eingesehen werden. Es ist das erste und bislang einzige Salzburger Objekt, das in das Österreichische Dokumentenerbe der UNESCO Aufnahme gefunden hat.

Das Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg wurde 784 unter dem Hl. Virgil, Abt und Bischof in Salzburg, angelegt. Es ist das einzige seiner Art in Österreich und überdies das älteste Verbrüderungsbuch weltweit. Seine schriftgeschichtliche Bedeutung und sein großer historischer Wert für die frühe bayerische und fränkische Geschichte machen es seit über 160 Jahren zu einem begehrten Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen. Seiner Bedeutung wurde bereits im 19. Jahrhundert mit Editionen und wissenschaftlichen Untersuchungen Rechnung getragen (Theodor Georg von Karajan, Sigmund Herzberg-Fränkel). 1974 folgte eine Faksimile-Edition mit Kommentar durch Karl Forstner. Namhafte Wissenschafter im In- und Ausland beschäftigen sich seit Jahren mit der Interpretation dieser besonderen und schwierigen Quelle, die selbst für das weit entfernte Irland Relevanz besitzt.

Für das Kloster St. Peter bzw. für die Salzburger Kirche spielt dieses Dokument eine herausragende identitätsstiftende Rolle. Ursprünglich fand das Verbrüderungsbuch im Rahmen des liturgischen Totengedenkens des Klosters Verwendung. Es belegt eindrucksvoll die jahrhundertelange Gebetstradition im Kloster St. Peter, die ohne einzige Unterbrechung vom Früh­mittelalter bis zur Gegenwart reicht.

Die Handschrift besteht im Wesentlichen aus dem älteren Verbrüderungsbuch (784–Ende 9. Jh.), dem jüngeren Verbrüderungsbuch (1004–Mitte 12. Jh.) und Traditionsnotizen (8.–13. Jh.). Das auf den hl. Virgil zurückgehende ältere Verbrüderungsbuch mit etwa 8.000 Eintragungen spannt den Bogen von biblischen zu damals lebenden Personen. Das jüngere Verbrüderungsbuch ist im Kontext kirchlicher Reformen entstanden und unterscheidet sich vom älteren Teil auch optisch durch die Verwendung bunter Arkaden, sogenannter Canonesbögen. Die frühmittelalterlichen Menschen hielten Namenseinträge in ein „Buch des Lebens“ und das damit verbundene Andenken für essentiell in Hinblick auf ein Leben nach dem Tod. Die darauf folgenden Traditionen, die in keinem direkten Zusammenhang mit den Verbrüderungen stehen, enthalten private Güterschenkungen an das Kloster St. Peter.

2014 wurde das Verbrüderungsbuch von der Österreichischen UNESCO-Kommission feierlich in das „Österreichische Nationale Memory of the World Register“ aufgenommen. Voraussetzung für die Aufnahme ist eine große kulturelle und historische Bedeutsamkeit des nominierten Dokuments.


Heiligsprechung von Bischof Virgil © Archiv der Erzdiözese Salzburg

Die Heiligsprechung von Bischof Virgil

Entstehungszeitraum: 1. Hälfte 3. Jhr. n. Chr.
Entstehungsort: Salzburg
Objektart: Relief
Autor: unbekannt
Artikel-Autor: Wilfried K. Kovacsovics
Material: Weißer Unterberger Marmor
Größe: H: 60 cm; B: 90 cm; T: max. 40 cm
Standort/Signatur: Salzburg Museum, ARCH 186-69
Physisch benutzbar: nein
Literatur: 

Am 24. September feiert das Land Salzburg jedes Jahr seine Landespatrone Rupert und Virgil. Seit dem Mittelalter wurde an diesem Tag Jahrmarkt gefeiert. Dabei ist die Prozession von der Erzabtei St. Peter in den Dom, bei der in besonderen Jahren die Reliquien von Virgil und Rupert mitgetragen werden, der kirchliche Höhepunkt. In Kriegs- und Seuchenjahren wurde kein Markt gehalten. 1896 hob der Salzburger Gemeinderat den Jahrmarkt auf. Seit 1976 wird der „Rupertikirtag“, das Domkirchweihfest, wieder jährlich in der Stadt Salzburg gefeiert.

Eine Heiligsprechung war ein komplexer Vorgang. In der Urkunde vom 1. Oktober 1200 beauftragt Papst Innozenz III. die Bischöfe Wolfker von Passau und Otto II. von Freising sowie die Äbte Conrad II. von Raitenhaslach und Baldewin von Viktring die Voruntersuchung zur Heiligsprechung des Bischofs Virgil von Salzburg einzuleiten.

Bayernherzog Theodo forcierte seit dem späten 7. Jahrhundert die durchgreifende Missionierung seines Volkes. Zu diesem Zweck wandte er sich an den Wormser Bischof Rupert (Hrodbert), der sein Bistum verließ und Theodo in Regensburg angeblich taufte. Die missionarische Tätigkeit Ruperts verlangte großes diplomatisches Geschick, denn durch die Mission sollte der Ausgriff des bayerischen Herzogtums nach Süden und Osten vorbereitet werden. Dafür erhielt Rupert von Theodo für die Mission die unumschränkte Vollmacht. Rupert begab sich zunächst nach Lorch, doch kehrte er aufgrund einer drohenden Awarenoffensive um und gelangte über Seekirchen in die alte Römerstadt Iuvavum, das ihm neben den Quellesalinen von Reichenhall übertragen wurde.

Rupert, der Apostel der Bayern, wurde zum Gründer der Salzburger Kirche. Er gründete ein Kloster zu Ehren des Apostel Petrus, errichtete eine stattliche Kirche, gründete die Maximilianszelle in Bischofshofen und unterstütze den Herzogsohn Theodbert bei der Gründung eines Frauenklosters (713/15 Nonnberg). Kurz vor seinem Tod begab sich Rupert an seinen früheren Bischofssitz nach Worms, wo er vermutlich 716 oder bald darauf verstarb.

Virgil war Abt in Mittelirland und kam über Quierzy in Frankreich zu Herzog Odilo nach Bayern. 746/747 übernahm Virgil die Leitung der Salzburger Kirche und wurde selbst erst 749 zum Bischof geweiht. In Salzburg kämpfte er um die Rechte der Salzburger Kirche, setzte sich für den Bau zahlreicher Kirchen ein und setzte Missionare in Karantanien ein. Virgil führte mit dem letzten agilolfingischen Bayernherzog Tassilo III. erfolgreich den Ausgriff Bayerns nach Süden durch. 767 begann Virgil an der Stelle der rupertinischen Peterskirche mit dem Bau eine Domes, der 774 geweiht wurde und unter Umständen von Tassilo III. als Krönungskirche für ein künftiges Königtum der Agilolfinger vorgesehen war. Unter Virgil wurde Salzburg zum „bedeutendsten Zentrum von Kunst und Kultur im Ostalpenraum“ (Heinz Dopsch). Zu erwähnen sind hier nur der Tassilokelch, die führende Rolle Salzburgs in der Buchmalerei, das Verbrüderungsbuch von St. Peter und Virgils Rolle als Dichter und Literat. Als Virgil am 27. November 784 verstarb, hinterließ er Salzburg als das reichste und leistungsfähigste Bistum in Bayern.

Heiligsprechungen
Ausgehend von der frühchristlichen Verehrung der Märtyrer dehnte sich der Kult der Heiligenverehrung in der zweiten Hälfte des 4. Jh. auf Persönlichkeiten aus, die zu Lebzeiten als heilig galten und deren Heiligkeit nach ihrem Tod durch ein Wunder bestätigt wurde, etwa bei großen Bischöfen oder Lehrern, die als confessores gegen Irrlehren kämpften. Zu diesen Bekennern wurden bald bedeutende Einsiedler, Koinobiten, Asketen, Mönche und Missionare hinzugezählt. Führ die Heiligsprechung ist neben der Verehrung als Seliger zeitig nach der Seligsprechung ein in einem getrennten Verfahren zu belegendes Wunder erforderlich. Anschließend obliegt es ausschließlich dem Papst, ob er die Kanonisation vornimmt. Äußere Zeichen der Anerkennung waren die Wiederbeisetzung der Gebeine in einem Altar und die Verlesung des Lebenslaufs (vita) des Heiligen.

Bischof Virgil überführte am 24. September 774 die Reliquien von Rupert von Worms nach Salzburg und weihte den neuen Dom zu seinen Ehren. Obwohl Rupert formell nie heilig gesprochen wurde, wird er seit dem 8. Jahrhundert als Heiliger verehrt und ist Salzburger Landespatron.

Papst Innozenz III (1198–1216) beauftragte mit der Urkunde vom 1. Oktober 1200 die Bischöfe von Passau und Freising sowie die Äbte von Raitenhaslach und Viktring, die Voruntersuchungen zur Kanonisation des Bischofs Virgil von Salzburg einzuleiten. Wolfker war Bischof von Passau (1191–1204) und Otto II Bischof von Freising (1183–1220). Baldewin stand dem Zisterzienserkloster Viktring vor und starb am 10. November 1200. Nicht eindeutig zu klären ist, wer das Kloster Raitenhaslach Anfang Oktober 1200 leitete. Abt Richer verstarb 1200 und es ist wahrscheinlich, dass sein Nachfolger Konrad II. die Urkunde entgegennahm. Vielleicht waren es die Ableben der beiden Äbte Baldewin und Richer, vielleicht auch die Folgen der damaligen Zerwürfnisse in Betreff der deutschen Krone, dass die von Papst Innozenz III. angeordnete Voruntersuchung erfolglos blieb. Dreißig Jahre später erteilte Papst Gregor IX. am 21. September 1230 an Bischof Heinrich III. von Brixen und einige Äbte der Diözese Passau erneut den Auftrag zu Untersuchung und Berichterstattung. In Folge dieser Relation wurde Virgil am 10. Juni 1233 heilig gesprochen. Erzbischof Eberhard von Salzburg erhielt vom Papst eine Bulle vom 18. Juni 1233, in der er über die vollzogene Heiligsprechung in Kenntnis gesetzt wurde.

Die Verehrung von Rupert und Virgil als Landespatrone
Trotz seiner großen Leistungen geriet Rupert bald in Vergessenheit und erst nach der Überführung seiner Gebeine durch Bischof Virgil anlässlich der Domweihe am 24. September 774 setzte eine bis heute dauernde Verehrung ein. Er wurde neben Petrus zum zweiten Salzburger Schutzheiligen und schließlich zum Landesheiligen, der nie formell kanonisiert, sondern durch die formelle Anerkennung seines Kultes unter die Heiligen der katholischen Kirche aufgenommen wurde. Der 24. September, der Tag der Reliquientranslation, ist Landesfeiertag.

Während Rupert der adelige Gründungsbischof war, so verdankt Salzburg Virgil den kulturellen Aufstieg und den Aufstieg zum Erzbistum unter seinem Nachfolger Arn(o) 798. Das Andenken an Virgil wurde bald unterdrückt, da die irische Mission mit der karolingischen Kirchenreform des frühen 9. Jahrhunderts zu Ende ging und er zu eng mit dem 788 gestürzten Bayernherzog Tassilo III. zusammengearbeitet hatte. Die Auffindung seiner Gebeine beim Neubau des Domes 1181 führte zur Verehrung und auch zur Heiligsprechung 1233. Virgil, der mit dem Dom als Attribut dargestellt wird, ist neben Rupert (Salzfass) der zweite Schutzheilige Salzburgs. Allerdings ist Rupert die stärkere Heiligengestalt und die Verehrung Virgils bleibt fast gänzlich in seinem Ausstrahlungsbereich. Virgil wurde zweiter Patron im Salzburger Dom und für die Erzdiözese beziehungsweise vierter nach den beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus sowie Rupert.

Die Heiligsprechung Virgils 1233 führte zur Errichtung von Virgilkirchen, darunter das Chorherrenstift Virgilienberg in Friesach oder die Pfarrkirchen in Rattenberg oder Radstadt. Rupertpatrozinien fanden bzw. finden sich im österreichischen und süddeutschen Raum bis Worms und Konstanz sowie in Brixen, Trient, Aquileia, Slowenien, Ungarn und den USA (Newburgh). In der Erzdiözese Salzburg sind ihm unter anderem der Dom, die Stiftskirchen St. Peter und Seekirchen, das Missionshaus St. Rupert in Bischofshofen oder die Pfarrkirchen Wagrain, Uttendorf, Muhr und Dorfgastein geweiht.

Nachdem in den 1950er und 1960er Jahren auf die bisherigen Rupert- und Virgilfeste verzichtet wurde, wurde „Herbstruperti“ mit dem Rupertikirtag und der „Rupertitag“ am 24. September zum Fest beider Heiligen.

[Transkription]
Die Litterae (Briefe) sind die häufigste Form der Papsturkunde. Der gesamte Text vom Papstnamen bis zur Datierung wird in einem einzigen Schriftblock in einer frühgotischen Minuskel geschrieben. Das für die Papsturkunde typische Bleisiegel (Bulle) ist das einzige Beglaubigungsmittel. Auf der Bulle finden wir auf der Vorderseite den Papstnamen Innocentius PP [PaPa] III, auf der Rückseite die Köpfe der Apostel Petrus (SPE für Sancti Petri) und Paulus (SPA für Sancti Pauli). Hier liegt eine einfache Littera vor, die Littera cum filo canapis (Brief mit der Hanfschnur), die nur eine große, geschwärzte Initiale als Zierelement aufweist. Der Beschreibstoff der Urkunde ist Pergament.

Erster Oktober 1200

Papst Innozenz III. beauftragt die Bischöfe von Passau und Freising sowie die Äbte von Raitenhaslach und Viktring, die Voruntersuchung zur Kanonisation des Bischofs Virgil von Salzburg einzuleiten.

1 Innocentius episcopus seruus seruorum dei. Venerabilibus fratribus.. Patauiensi.. Frisingensi Episcopis et dilectis filiis..
2 de Reitenhaslach et.. de Victoria Abbatibus. Salutem et apostolicam benedictionem. Habet hoc proprium apostolica sedes, ut
3 ad inquirendam plenissime ueritatem ne fucato decipiatur errore: com multa grauitate procedat. quati
4 nus quod ipsius fuerit deliberatione statutum: ratum et stabile perseueret. Cum ergo Salzeburgensis ec
5 clesia nobis humiliter supplicarit. ut sancte recordationis. Virgilium quondam episcopum suum quem piis
6 operibus floruisse fatetur in uita certisque post mortem miraculis claruisse. sanctorum ascriberemus cathalogo
7 uenerandum. nos in tanto iudicio diligentiam cupientes omnimodam adhibere. discretioni uestre de
8 qua plene confidimus per apostolica scripta precipiendo mandamus. quatinus auctoritate nostra suffulti. tridu
9 anum ieiunium per Salzeburgensem diocesim sollempniter indicatis. ut uniuersi fideles orantes. et erogantes
10 ab eo qui est uia ueritas et uita postulent et implorent. aperiri uiam inueniendi super hoc ueritatem
11 ad uitam. ac deinde non solum per testimonia sed per testes. per famam quoque uulgatam et scripturam au
12 tenticam de uirtute morum et uirtute signorum. operibus uidelicet et miraculis certitudinem inquiratis.
13 cunctaque fideliter conscribentes. sub testimonio sigillorum uestrorum per uiros idoneos qui fidem etiam super
14 hiis nobis faciant. in presentia nostra iurati. ad sedem apostolicam destinetis. ut per inquisitionem uestram
15 sufficienter instructi ad diuini nominis gloriam et catholice fidei firmamentum. securius in ipso negotio pro
16 cedere ualeamus. Quod si omnes hiis exequendis nequiueritis interesse. tres uestrum ea nichilominus exequantur.
17 Datum Lateran. Kalend. Octobr. Pontificatus nostri anno Tertio.

Sigill. plumb. Innocentii PP. III.


Salzburger Stadtrecht von 1368/71 © Stadtarchiv Salzburg

Salzburger Stadtrecht von 1368/71

Entstehungszeitraum: 1. Hälfte 3. Jhr. n. Chr.
Entstehungsort: Salzburg
Objektart: Relief
Autor: unbekannt
Artikel-Autor: Wilfried K. Kovacsovics
Material: Weißer Unterberger Marmor
Größe: H: 60 cm; B: 90 cm; T: max. 40 cm
Standort/Signatur: Salzburg Museum, ARCH 186-69
Physisch benutzbar: nein
Literatur: 

Nach der Trennung des geistlichen Fürstentums vom Mutterland Bayern gelang es auch dem aufstrebenden Bürgertum, seine Rechte auszuweiten. Ausdruck dieses Emanzipationsprozesses ist das Stadtrecht aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, das in Form eines Weistums geltendes Gewohnheitsrecht kodifizierte und das Stadtrecht von 1287 ersetzte.

Erst 150 Jahre nach der Stadtwerdung erhielt Salzburg das erste schriftliche Stadtrecht. Nach Auseinandersetzungen innerhalb der Bürgerschaft erließ Erzbischof Rudolf von Hohenegg als Stadtherr 1287 den als „Sühnebrief“ bezeichneten Stadtfrieden und fügte diesem ein in zehn Artikel gegliedertes Stadtrecht hinzu, das die Rechte und Pflichten der Bürger, Bestimmungen über die Verteidigung der Stadtmauern, den Liegenschaftsverkehr und das Bauwesen enthielt. Für die kommunale Verwaltung ist neben den ausführlichen Bestimmungen über die Verwahrung des Stadtsiegels jener Passus von Bedeutung, der die Rechte der „Genannten“ regelte. Die Genannten, die Beisitzer im Stadtgericht unter Vorsitz des Stadtrichters, durften keine wichtigen Entscheidungen in städtischen Angelegenheiten treffen, wenn nicht alle sowie der erzbischöfliche Stadtrichter versammelt waren.

Im frühen 14. Jahrhundert erfolgte die endgültige Trennung des geistlichen Fürstentums vom Mutterland Bayern und Salzburg war nun nicht nur Residenzstadt des Metropoliten sondern auch Hauptstadt eines eigenen Landes. Das aufstrebende Bürgertum konnte in dieser Zeit seine Rechte ausweiten. Der mit „Gunst, Rat und Hilfe“ der Erzbischöfe erlangte Rechtsstand wurde 1368/71 in Form eines Weistums aufgezeichnet. Die neue, umfangreiche Rechtssammlung, die an die Stelle des Stadtrechtes von 1287 trat, hielt in 131 Artikeln das geltende Gewohnheitsrecht fest und wurde jährlich öffentlich verlesen, um die Genannten in ihre Aufgaben einzuführen und den Bürgern das geltende Recht zu vermitteln.

Dieses Salzburger Stadtrecht belegt eine relative städtische Autonomie. An bürgerlichen Freiheitsrechten sind Steuerfreiheit, Maut- und Zollfreiheit in der Stadt, die Lehensfähigkeit sowie die freie Heirat in Städte anderer Fürsten zu nennen. Die kommunale Emanzipation wird mit der Nennung des Rates signalisiert, der für Salzburg erstmals terminologisch fassbar wird. Über nachgewiesene Vergehen sollte das Stadtgericht, das mit den Genannten und den Mitgliedern des Stadtrates besetzt war, urteilen. Die insgesamt zwölf Genannten sollten einmal wöchentlich zu den Ratssitzungen zusammentreten. Zu den Aufgaben der Bürger zählte es auch, die vier Türme auf dem Mönchsberg und alle Stadttore in Verteidigungsbereitschaft zu halten. Außerdem durfte die Bürgerschaft eigene Amtleute anstellen.

Auffallend an den ausführlichen Bestimmungen über die Rechte der Bürger ist, dass noch kein Bürgermeister erwähnt wird. Dieses nach dem Stadtrichter wichtigste Amt muss kurz darauf geschaffen worden sein. Erster namentlich bekannter Bürgermeister ist Konrad Taufkind († 1382). In einer Urkunde, die er 1378 als Stadtrichter ausstellte, erinnert er an sein Wirken als Bürgermeister. Da Taufkind ab 1374 als Stadtrichter fungierte, ist seine Funktionsperiode als Bürgermeister in die Jahre um 1370 bis 1374 zu datieren. Die jeweils amtierenden zwei kollegialen Bürgermeister, die der Erzbischof entweder selbst bestimmte oder zumindest endgültig bestätigte, sind ab 1375/76 namentlich bekannt.


Igelbund Urkunde © Stadtarchiv Salzburg

Igelbund

Entstehungszeitraum: 1. Hälfte 3. Jhr. n. Chr.
Entstehungsort: Salzburg
Objektart: Relief
Autor: unbekannt
Artikel-Autor: Wilfried K. Kovacsovics
Material: Weißer Unterberger Marmor
Größe: H: 60 cm; B: 90 cm; T: max. 40 cm
Standort/Signatur: Salzburg Museum, ARCH 186-69
Physisch benutzbar: nein
Literatur: 

1403 schlossen der Adel und die Bürger der Städte, an der Spitze die Stadt Salzburg, ein Schutzbündnis gegen die Willkür des erzbischöflichen Landesherrn. Die unterzeichneten Bündnispartner wollten einem künftigen Landesherrn erst huldigen, wenn dieser die Einhaltung alter Rechte verbriefte.

Die durch das Salzburger Stadtrecht von 1368/71 dokumentierte, relativ weit gediehene städtische Autonomie erfuhr in der Zeit der autoritären Regierung Pilgrims II. von Puchheim (1366–1396) massive Einschränkungen. Der Erzbischof beschnitt als starker Stadtherr die Rechte der Bürger gegenüber dem aufgezeichneten Stadtrecht in vielen Punkten.

Da der Puchheimer und sein Nachfolger Gregor Schenk von Osterwitz nicht bereit waren, den bürgerlichen Anliegen und auch den Forderungen des Adels zu entsprechen, schlossen 1403, nach dem Tod Erzbischof Gregors, 56 Vertreter des Salzburger Adels und die fünf landesherrlichen Städte Salzburg, Laufen, Tittmoning, Hallein und Radstadt ein Schutzbündnis zur Wahrung ihrer Interessen gegenüber dem erzbischöflichen Landesherrn. Dem künftigen Erzbischof wollten sie erst huldigen, wenn er sich urkundlich zur Abstellung der Missstände und zur Einhaltung der alten Rechte und Privilegien verpflichtete. Zudem wurde die Abhaltung jährlicher Landtage gefordert. Der Zusammenschluss zeigt, dass neben Adel und Prälaten auch das Bürgertum der Städte eine Beteiligung an der landesfürstlichen Politik beanspruchte.

Obwohl wenig später der Bischof von Chiemsee und weitere Adelige der Einung beitraten, konnten die erhobenen Forderungen, darunter nach jährlichen Landtagen, nicht durchgesetzt werden. Der neue Erzbischof, Eberhard III. von Neuhaus, versprach zwar zunächst Abhilfe, setzte dann aber die autoritäre Politik seiner Vorgänger fort. Der Weg zum landesfürstlichen Absolutismus war vorgezeichnet.

Der Name „Igelbund“, den diese Einung erhielt, ist wahrscheinlich von der am 20. Mai 1403 ausgestellten Bündnisurkunde abgeleitet, an der auf allen vier Seiten die Siegel der Verbündeten wie die Stacheln eines Igels angebracht sind. Das große Siegel der Stadt Salzburg nimmt den zentralen Platz ein und dokumentiert das damalige Selbstbewusstsein und das in der wirtschaftlichen Potenz begründete politische Gewicht der Haupt- und Residenzstadt.

Die wirtschaftliche Blüte, die das Bürgertum in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erlebte, fand nicht nur in großzügigen Stiftungen für das Bürgerspital und die Stadtpfarrkirche ihren Ausdruck, sondern auch in dem immer stärker werdenden Mitspracherecht in politischen Angelegenheiten der Stadt und in einem zunehmenden Anteil am Stadtregiment. 1407 erwarb die Stadtgemeinde den „Keutzlturm“, der samt Nebengebäuden zu einem Rathaus umgestaltet wurde und nun auch die wichtigsten städtischen Urkunden sowie Protokoll- und Kopialbücher beherbergte. Im zweiten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts setzen die sogenannten „Sendbriefe“, Kopien des ausgelaufenen städtischen Schriftverkehres, ein. Mit dem Jahr 1441 beginnt das älteste der „Bürgerbücher“. Die ab diesem Zeitpunkt lückenlos dokumentierten Bürgeraufnahmen lassen die Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten der Bürgerschaft erkennen. Die Bürgermeister entschieden über die Aufnahme von Neubürgern, die Stadtgemeinde erhielt die Taxen. Der vom Neubürger geleistete Bürgereid beinhaltete die Verpflichtung zu Gehorsam und Hilfe gegenüber dem Stadtrichter als Vertreter des Erzbischofs, aber auch gegen Bürgermeister und Stadtrat.


Großer Ratsbrief © Stadtarchiv Salzburg

Großer Ratsbrief, Abschrift im Privilegienbuch der Stadt Salzburg

Entstehungszeitraum: 1. Hälfte 3. Jhr. n. Chr.
Entstehungsort: Salzburg
Objektart: Relief
Autor: unbekannt
Artikel-Autor: Wilfried K. Kovacsovics
Material: Weißer Unterberger Marmor
Größe: H: 60 cm; B: 90 cm; T: max. 40 cm
Standort/Signatur: Salzburg Museum, ARCH 186-69
Physisch benutzbar: nein
Literatur: 

Im sogenannten „Große Ratsbrief“ von 1481 gestattete Kaiser Friedrich III. mit dem der Kaiser der Salzburger Bürgergemeinde jährlich in freier und vom Stadtherrn unbeeinflusster Wahl einen zwölfköpfigen geschworenen Stadtrat und einen Bürgermeister aus dessen Mitte zu wählen. Andererseits durfte keine Bürgerversammlung in Abwesenheit des vom Stadtherrn bestellten Stadtrichters vorgenommen werden, wodurch die Hoheit des Erzbischofs letztlich gewahrt blieb. Das Ratsprivileg war daher dem freien machtpolitischen Spiel ausgesetzt.

Eine bis dato noch nie erreichte Autonomie und Selbstverwaltung erlangte Salzburg im „Ungarischen Krieg“ im Zuge der Auseinandersetzung zwischen Erzbischof Bernhard von Rohr und Kaiser Friedrich III. um die Besetzung des Erzstiftes. Der Habsburger versuchte, das durch Handelssperren und den Krieg in seiner wirtschaftlichen Existenz bedrohte Salzburg in Opposition gegen ihren mit den Ungarn verbündeten Stadtherrn zu bringen. Von Dezember 1480 bis November 1482 fertigte Friedrich III. 14 Privilegien für die Stadt aus, darunter auch eine erste kaiserliche Generalbestätigung aller Rechte und Freiheiten.

Das Kernstück dieser wahren Privilegienflut ist der sogenannte „Ratsbrief“ vom 29. November 1481, mit dem der Kaiser der Bürgergemeinde gestattete, jährlich in freier und vom Stadtherrn unbeeinflusster Wahl einen zwölfköpfigen geschworenen Stadtrat und einen Bürgermeister aus dessen Mitte zu wählen.

Das wichtige kaiserliche Privileg, in dem manche Forscher die Erhebung zur freien Reichsstadt sehen wollten, war aber widersprüchlich und von der kaiserlichen Kanzlei offenbar bewusst unklar formuliert. Salzburg erhielt alle Ehre, Würde, Vorteil, Gnade, Freiheit, Privileg, gute Gewohnheit, Recht und Gerechtigkeit, deren sich andere Reichsstädte mit einem geschworenen Rat erfreuten. Andererseits durfte aber, wie das Privileg ausdrücklich festhielt, keine Bürgerversammlung und sonstige Handlung in Abwesenheit des vom erzbischöflichen Stadtherrn bestellten Stadtrichters vorgenommen werden, wodurch die Hoheit des Erzbischofs letztlich gewahrt blieb. Das Ratsprivileg war daher dem freien machtpolitischen Spiel ausgesetzt.

Zunächst gelang es der Stadt, die erworbenen Rechte zu festigen und auszubauen. Eine neu aufgestellte Ratsordnung (1482) legte dreimal wöchentliche Ratssitzungen im nun ausdrücklich in Rathaus umbenannten Keutzlturm am Kranzlmarkt fest. In den folgenden Jahren wurden Ordnungen in Markt- und Wirtschaftsangelegenheiten sowie für die einzelnen Handwerkszweige erlassen. Die meisten Ordnungen dieser Zeit sowie detaillierte Angaben über den Stadtrat und die städtischen Beamten sind im „Stadtbuch“ des Stadtschreibers Christian Reuter von 1498 überliefert. Die ältesten Rechnungsbücher (Raitungen) der Stadt von 1486 bis 1489 sind noch vom Bürgermeister selbst angelegt. Um 1490 wurde dann als neues Amt jenes des für die Finanzen zuständigen Stadtkämmerers eingeführt. Die Verwaltungs- und Behördenstruktur der Stadt begann sich mehr und mehr zu differenzieren.

Nach massiven Auseinandersetzungen zwischen Bürgerschaft und Stadtherr erzwang Leonhard von Keutschach 1511 den Verzicht auf die freie Ratswahl. Die kaiserliche Originalurkunde wurde vom Erzbischof eingezogen. Der Ratsbrief ist daher nur abschriftlich erhalten geblieben. Er ist das zentrale Stück in dem um 1500 angelegten Privilegienbuch der Stadt Salzburg, in dem insgesamt 53 Urkunden mit wichtigen Rechten, Privilegien und Freiheiten der Stadt aus der Zeit zwischen 1327 und 1506 verzeichnet sind.


Verbrüderungsurkunde des Stiftes Nonnberg mit St. Peter © Archiv St. Peter

Verbrüderungsurkunde des Stiftes Nonnberg mit St. Peter

Entstehungszeitraum: 1. Hälfte 3. Jhr. n. Chr.
Entstehungsort: Salzburg
Objektart: Relief
Autor: unbekannt
Artikel-Autor: Wilfried K. Kovacsovics
Material: Weißer Unterberger Marmor
Größe: H: 60 cm; B: 90 cm; T: max. 40 cm
Standort/Signatur: Salzburg Museum, ARCH 186-69
Physisch benutzbar: nein
Literatur: 

Auf einem kleinen Stück Papier wurde vor 500 Jahren ein bilaterales Abkommen zwischen den beiden ältesten Klöstern des Landes, St. Peter und Nonnberg, festgehalten. Kraft dieser so genannten Verbrüderungsurkunde wurde die seit dem Frühmittelalter bestehende Verbindung erneuert. Heute sind St. Peter und Nonnberg mit jeweils einem Alter von über 1.300 Jahren die beiden ältesten ununterbrochen bestehenden Klöster nördlich der Alpen.

Seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts war es üblich, dass Klöster Verbrüderungen schlossen und in Urkundenform bestätigten. Der älteste im Original erhaltene Verbrüderungsvertrag wurde im Jahr 800 zwischen den Klöstern St. Gallen und Reichenau geschlossen. Die älteste Verbrüderungsurkunde, die sich in St. Peter im Original erhalten hat, ist hingegen jünger. Sie stammt aus dem Jahr 1261 und wurde vom steirischen Benediktinerkloster St. Lambrecht ausgestellt.[1] Doch St. Peter pflegte auch davor Verbindungen mit anderen Ordenshäusern einzugehen. Sie sind allesamt im berühmten Verbrüderungsbuch von St. Peter dokumentiert. Das Ansehen eines Klosters und die Anzahl der Verbrüderungen hängen eng zusammen. Mit Klöstern von gutem Ruf ging man gerne eine Verbindung ein und vertraute sich ihnen im Gebet an. Je größer ein Ordenshaus, desto mehr Personal konnte für das Gebet eingeteilt werden. Große Ordenshäuser bewältigten im Mittelalter die enormen Gebetsverpflichtungen, die sich aus 200 bis 300 Verbrüderungen ergaben. Selbstverständlich wurden auch Frauengemeinschaften mit einbezogen. Noch heute werden Verbrüderungen zwischen Ordensgemeinschaften abgeschlossen oder erneuert.[2] Ihr Hauptzweck ist das Gebet füreinander und für die Verstorbenen.

Als die Verbrüderung zwischen St. Peter und Nonnberg 1515 erneuert wurde, war St. Peter als Doppelkloster organisiert. Neben der Mönchsgemeinschaft (den „brüedern“) lebten an der Stelle des heutigen Franziskanerklosters die Petersfrauen (die „sbestern“). Männer und Frauen waren streng voneinander getrennt, unterstanden aber gemeinsam dem Abt, der von 1502 bis 1518 Wolfgang Walcher hieß. Er kannte Nonnberg vermutlich sehr gut, schließlich war er bereits um 1490 dort als Beichtvater tätig gewesen.[3] Nonnberg war zu dieser Zeit ein adeliges Frauenstift, das nachweislich nach der Benediktregel lebte und zu mehr als 100 geistlichen Gemeinschaften eine Verbindung unterhielt.[4] St. Peter stand zur selben Zeit nur mit gut 70 Ordenshäusern in Kontakt.[5] Einer der beliebtesten Prediger dieser Zeit war Johannes von Staupitz, der Freund und ehemalige Vorgesetzte Martin Luthers. Staupitz, der 1522 Abt von St. Peter wurde, pflog ein gutes Verhältnis zum Kloster Nonnberg.[6]

Aus der Hausgeschichte lassen sich einige aufschlussreiche Details zum Entstehungsumfeld der Urkunde von 1515 ableiten. Leicht lässt sich der Eindruck gewinnen, dass die Verbrüderung in diesem Fall auch dazu gedient hat, Ursula von Trauner mit dem Abt von St. Peter einen Mentor zur Seite zu stellen. Ursula von Trauner war erst anderthalb Jahre vor Ausfertigung der Urkunde als Äbtissin von Nonnberg eingesetzt worden. „Sie weigerte sich lange, diese Bürde zu übernehmen“[7], schreibt der Nonnberger Chronist P. Franz Esterl. Diese Haltung ist verständlich, denn mit 28 Jahren war Ursula von Trauner für eine Äbtissin noch ziemlich jung. Unterstützung erhielt die junge Ordensobere vermutlich des Weiteren von den Beichtvätern, die St. Peter stellte.[8] Ratschläge für ihre Regierung wird sie wohl auch von ihrem Vater, Gabin von Trauner,[9] erhalten haben, der als Hofrichter von St. Peter nachweisbar ist.

Gute Beratung im richtigen Umgang mit dem Salzburger Erzbischof war mit der Existenzfrage verknüpft, wie einige zeitgenössische Beispiele zeigen: Die Salzburger Bürgerschaft war 1511 durch Erzbischof Leonhard von Keutschach ihrer Privilegien entledigt worden. Erzbischof Matthäus Lang säkularisierte 1519 endgültig das Salzburger Domkapitel.[10] 1583 wurde unter maßgeblicher Mitwirkung des Erzbischofs Johann Jakob von Kuen-Belasy handstreichartig das Petersfrauenkloster aufgehoben. Mit den „sbestern“ von St. Peter hatte Ursula von Trauner rund siebzig Jahre zuvor noch die Verbrüderung abgeschlossen. Die gute Verbindung machte sich in der schweren Stunde der Klosterauflösung bezahlt: Eine Schwester des Petersfrauenklosters, Cordula von Mundtenhaim, fand in Nonnberg Zuflucht und wurde 1600 sogar Äbtissin dieses Klosters.

Der Originaltext der Verbrüderungsurkunde des Stiftes Nonnberg mit St. Peter:

„Wyr Ursula von gottes genaden abbtessyn auf dem Nunburg bechennen fur vns dar wir vnser lebenlang allen brüedern vnd sbestern des wirdigen gotzhauss zw sandt peter wellen haben lasen nach Iren sterben acht niess vnd wir selbs wellen In beten so wir In gesundt seyn syben long vigyl vnd xxx deprofundis myt demissa reverentia[.] vnd zw zeugknus sollichr als war vnd statt zw halten geben wir dise zetel myt vnser hanndt geschriben vnd aufgetruckten secreta verfertigt vnd ist beschechen nach christy vnsers lieben herren geburt da man zalt M D vnd im XV jar an S colmans tag“.

Dorsalvermerk von P. Bernhard Viechter OSB, 18. Jh. „Confoederation mit Nunberg 1515“.

Siegel: Engel mit dem Wappen Nonnbergs (heraldisch rechts) und der Trauner (heraldisch links). Das Nonnberger Wappen taucht erst im 15. Jahrhundert auf und war in Verbindung mit dem jeweiligen Familienwappen stets Bestandteil der Äbtissinnensiegel.[11] Das dargestellte Wappen der Trauner zeigt einen ganzen aufspringen Bock.[12]

[1] Zu den Verbrüderungen allgemein und zu St. Peter im Speziellen siehe Hirtner, 2014 und Hermann, 1968.
[2] Gebetsverbrüderung zwischen St. Peter und Wilten. URL: http://www.erzabtei.at/de/neuigkeiten/detail.asp?id=296&tit=Erneuerung%2520der%2520Gebetsverbruederung%2520mit%2520dem%2520Praemonstratenserstift%2520Wilten%2520in%2520Innsbruck [Stand: 31.8.2015]
[3] Lindner, 1906, 18.
[4] Schmidt-Sommer/Bolschwing, 2002, 218-219.
[5] Hirtner, 2014, 32.
[6] Esterl, 1841, 92-93.
[7] Esterl, 1841, 86.
[8] Lindner, 1906, 301.
[9] Esterl, 1841, 86.
[10] Winkler/Krassnig/Brandes, 2005, 333-336.
[11] Schmidt-Sommer/Bolschwing, 2002, 262.
[12] Vgl. Die Wappen des Adels in Salzburg, 1979, 69 und Taf. 28.