Erzabt Franz Bachlers Intentionenbuch

  • Entstehungszeitraum: 1959-1970
  • Entstehungsort: Salzburg
  • Objektart: Handschriftenband
  • Autor/KĂĽnstler: Erzabt Franz Bachler
  • Artikel-Autor: P. Alkuin Schachenmayr
  • Material/Technik: Papier, gebunden
  • Größe: 20,2 x 13,4 (26,8) x 1,2 cm
  • Standort/Signatur: Archiv der Erzabtei St. Peter, Akt 3278
  • Physisch benutzbar: ja
  • Literatur:

    Alkuin Schachenmayr, IntentionsbĂĽcher, in: SĂĽdwestdeutsche Archivalienkunde, URL: https://www.leo-bw.de/themenmodul/sudwestdeutsche-archivalienkunde/archivaliengattungen/amtsbucher/intentionsbucher [Stand: 15.06.2021]

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Kassenbücher beinhalten Mengen an Information und geben wertvolle Auskunft weit über die Buchhaltung hinaus. Es mag überraschen, aber in solchen Verzeichnissen kommen einige Aspekte einer Persönlichkeit zum Ausdruck.

Das Intentionenbuch ist ein Beispiel dafür. Es ist eine Art Kassenbuch des Priesters, in dem er von Amts wegen verzeichnet, wo und wann er die Hl. Messe gefeiert hat und in welcher „Intention“, d.h. in welchem Anliegen es geschah. Grund dafür ist die Rechenschaft über kleine Geldbeträge, die ihm von Gläubigen gegeben werden, um eine Messe für ihre Intention zu feiern. Volkstümliche Ausdrücke dafür sind „eine Messe lesen lassen“ oder „eine Messe bezahlen“ – allerdings könnte keine Messe gekauft werden; ihr Wert ist für Gläubige unmessbar.

Die Bücher, in denen Priester die Intention verzeichnen, können erstaunlich viel Information hergeben. Die hier abgebildete Archivalie aus dem Archiv der Erzabtei St. Peter ist ein Buch des Erzabtes Franz Bachler (1915–2003). Dass er überhaupt ein solches Buch im Jahr 1967 geführt hat, zeugt bereits von seiner Gewissenhaftigkeit, denn obwohl alle Priester dazu verpflichtet sind, haben nicht alle diese Pflicht erfüllt, und von einem Abt würde man es nicht unbedingt erwarten. Bachlers allgemeines Interesse für die Liturgie war vermutlich ausgeprägt, da er über 20 Jahre hinweg Vorsitzender der liturgischen Kommission der Österreichischen Benediktinerkongregation war.

Ein näheres Hinschauen erschließt weitere Charakteristika des Prälaten. Wichtige Details aus seinem Arbeitsalltag, der ihn auszeichnenden priesterlichen Lebenskultur und sogar der Sparsamkeit des Klostervorstehers gehen daraus hervor. Der Eintrag zum 30. November 1967 zeigt, dass er um 6.30 Uhr in der Marienkapelle zelebriert hat und dabei einer „Oblation“ vorstand, d. h. der Aufnahme eines Laien in den Kreis der Oblaten von St. Peter. Oblaten suchen engere geistliche Bindung an das klösterliche Leben in der benediktinischen Tradition und bemühen sich, Teile der monastischen Lebenskultur in ihren Alltag einzubinden. Weiteres seelsorgliches Engagement zeigt sich am 3. Dezember, in der Messe mit Mitgliedern der Marianischen Kongregation.

Bachlers Buch hat einen großen Wert allein wegen der darin enthaltenen Ortsangaben: Wo keine verzeichnet wird, ist anzunehmen, dass der Erzabt im Kloster St. Peter feierte. Man kann aus diesen Angaben eine tägliche Dokumentation zu seinem Aufenthaltsort erschließen. Am 4. November 1967 war er in Dornbach; am 5. feierte er zuerst um 7.15 Uhr im Stift und dann um 9.15 Uhr in Abtenau; vom 17. bis 19. war er bei den Pallotinern am Mönchsberg zu Gast, eventuell im Zusammenhang mit einem Exerzitienkurs; am 21. wieder in Dornbach usw. An vielen Tagen feierte der Abt die Messe um 5.30 Uhr, vermutlich alleine, da die Mönche zu der Zeit beim Chorgebet waren.

Warum der Erzabt keine Einträge zu den Auftraggebern oder ihren eigentlichen Anliegen machte, ist nicht ganz eindeutig. Bachler hat mit großer Wahrscheinlichkeit fast jeden Tag ein Messstipendium erhalten, sonst hätte er am 26. November nicht „l.i.“ geschrieben, was libera intentio bedeutet und somit den Tag als „intentionenfrei“ dokumentiert. Ein Priester darf nur eine Intention am Tag persolvieren, manche verzeichnen aber auch, wenn sie keine erhalten haben.

Sogar über die Persönlichkeit des Prälaten sagt das Amtsbuch aus. Die formale Analyse ergibt einen sparsamen Mann, der die 20 vorgedruckten Zeilen auf jedem Blatt auf 30 bzw. 31 Zeilen ausdehnte, um einen ganzen Monat übersichtlich unterzubringen. Daher belegte er manche Zeilen doppelt. Wenn sie trotzdem nicht ausreichten, trug er Angaben auch unterhalb der Tabelle ein.

Zuletzt ein Wort über das Intentionenbuch als Zeugnis priesterlicher Frömmigkeit. Die Feste Allerseelen (2. November) und Weihnachten (25. Dezember) zeigen, wie oft er am Altar stand. Am Allerseelentag feierte er drei Messen und brauchte für jede eine halbe Stunde. Zu Weihnachten feierte er um 0 Uhr, 1 Uhr und 8.30 Uhr. Da er zu dem verzeichneten Zeitpunkt 52 Jahre alt war, ist die Belastung zumutbar, wenn auch anstrengend. Um zu sehen, wie sich seine Kräfte im Verlauf der Jahrzehnte entwickelten, könnte man seine Intentionenbücher aus den Jahren vor der Emeritierung (1997) einsehen.