StadtbrĂŒcke vom Platzl

  • Entstehungszeitraum: 17. Juni 1891
  • Entstehungsort: Salzburg
  • Objektart: Fotografie
  • Autor/KĂŒnstler: Carl von Frey
  • Artikel-Autor: Thomas Weidenholzer
  • Material/Technik: Glasplatte
  • GrĂ¶ĂŸe: 9x12 cm
  • Standort/Signatur: Stadtarchiv Salzburg, Fotosammlung Carl von Frey
  • Physisch benutzbar: nein
  • Literatur:

    Peter F. Kramml, Salzburg 1888–1896 in Fotografien des Carl von Frey. StĂ€dtisches Leben zwischen Tradition und Fortschritt (Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg 38), Salzburg 2013.

image_pdfimage_print

Von Carl von Frey, „1848er“, Inhaber der Heffterschen Handelsgerechtsame, Obmann der Salzburger Liedertafel, frĂŒh Privatier, Kunstsammler und Amateurfotograf, stammen mehr als 1300 Fotografien aus der Zeit von 1888 bis 1896. Sie sind Momentaufnahmen des Alltags in einer Phase der Stadtgeschichte, die als zweite Stadterweiterung bezeichnet werden kann.

Die hölzerne StadtbrĂŒcke ĂŒber die Salzach war zuletzt 1858 erneuert worden. Die Eröffnung der Bahnlinien nach Wien und MĂŒnchen ließ das Verkehrsaufkommen anschwellen. Die Stadt sah sich erstmals mit einem modernen PhĂ€nomen konfrontiert, dem Stau. „Angesichts der tĂ€glich vorkommenden Verkehrsstörungen“ urgierte 1873 die Stadtgemeinde den Bau einer neuen stabilen Eisenkonstruktion ĂŒber den Fluss. Am 10. Mai 1877 wurde die eiserne, mit staatlichen Geldern errichtete, nunmehrige StaatsbrĂŒcke eröffnet. Die Benennung nach dem Kaiser in „Franz Josefs-BrĂŒcke“ konnte sich allerdings nicht so recht durchsetzen.

Die fotografische Aufnahme von Carl von Frey aus dem Jahr 1891 zeigt die moderne Eisenkonstruktion mit den prĂ€chtigen Gaskandelabern. Der Verkehr auf der BrĂŒcke vermittelt dagegen eher den Eindruck mittelstĂ€dtischer BehĂ€bigkeit. Man kann die Langsamkeit des Verkehrsgeschehens geradezu spĂŒren. Der fußlĂ€ufige Verkehr dominiert bei weitem. Niemand eilt, niemand hetzt, die Menschen schreiten oder stehen und beobachten. Und das an einem Wochentag, einem Mittwoch, um dreiviertel zehn am Vormittag. Auch die beiden PlanwĂ€gen bewegen sich in Schritttempo, selbst dann, wenn der neben dem Fuhrwerk schreitende Kutscher das Zugtier mit der Peitsche antreibt. Auch der EinspĂ€nner ist ist genauso wenig in Trab gefallen wie der elegante Landauer.

Den Rathausbogen fĂŒr den anschwellenden Verkehr zu verbreitern fand der Gemeinderat erst zehn Jahre spĂ€ter fĂŒr notwendig. Und trotzdem, nicht nur die drei Mal als ihre VorgĂ€ngerin breitere StaatsbrĂŒcke steht fĂŒr das Neue. Auch die Stromleitungen auf der anderen Seite der Salzach sind Zeichen fĂŒr die unaufhaltsame Modernisierung.