Verbr├╝derungsurkunde des Stiftes Nonnberg mit St. Peter

  • Entstehungszeitraum: 13.10.1515
  • Entstehungsort: Salzburg
  • Objektart: Urkunde
  • Autor/K├╝nstler: ├äbtissin Ursula Trauner von Nonnberg
  • Artikel-Autor: Gerald Hirtner
  • Material/Technik: Tinte auf Papier, aufgedr├╝cktes Wachssiegel
  • Gr├Â├če: 22,3 x 15 cm
  • Standort/Signatur: Archiv der Erzabtei St. Peter, Urk. Nr. 1882
  • Physisch benutzbar: ja
  • Literatur:

    Franz Esterl, Chronik des adeligen Benediktiner=Frauen=Stiftes Nonnberg in Salzburg. Salzburg 1841.
    Karl Friedrich Hermann, Confraternitas Sanpetrensis. Die Geschichte der Gebetsverbr├╝derungen in St. Peter zu Salzburg. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 79, 1968, 26-53.
    Gerald Hirtner, Netzwerk der Tugendhaften. Totenroteln als historische Quelle. St. Ottilien 2014.
    Pirmin Lindner, Profe├čbuch der Benediktiner-Abtei St. Peter in Salzburg <1419-1858>. In: Mitteilungen der Gesellschaft f├╝r Salzburger Landeskunde 46, 1906, 1-328.
    Irmgard Schmidt-Sommer und Theresia Bolschwing, Salzburg, Nonnberg. In: Ulrich Faust und Waltraud Krassnig (Bearb.), Die benediktinischen M├Ânchs- und Nonnenkl├Âster in ├ľsterreich und S├╝dtirol. St. Ottilien 2002, 209-262.
    Die Wappen des Adels in Salzburg, Steiermark und Tirol. J. SiebmacherÔÇÖs gro├čes Wappenbuch, Bd. 28. Neustadt an der Aisch 1979, 69.
    Gerhard B. Winkler, Waltraud Krassnig und Katharina Brandes, Salzburg 1122ÔÇô1514. In: Floridus R├Âhrig (Hg.), Die ehemaligen Stifte der Augustiner-Chorherren in ├ľsterreich und S├╝dtirol. Klosterneuburg 2005, 329-356.

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Auf einem kleinen St├╝ck Papier wurde vor 500 Jahren ein bilaterales Abkommen zwischen den beiden ├Ąltesten Kl├Âstern des Landes, St. Peter und Nonnberg, festgehalten. Kraft dieser so genannten Verbr├╝derungsurkunde wurde die seit dem Fr├╝hmittelalter bestehende Verbindung erneuert. Heute sind St. Peter und Nonnberg mit jeweils einem Alter von ├╝ber 1.300 Jahren die beiden ├Ąltesten ununterbrochen bestehenden Kl├Âster n├Ârdlich der Alpen.

Seit der zweiten H├Ąlfte des 8. Jahrhunderts war es ├╝blich, dass Kl├Âster Verbr├╝derungen schlossen und in Urkundenform best├Ątigten. Der ├Ąlteste im Original erhaltene Verbr├╝derungsvertrag wurde im Jahr 800 zwischen den Kl├Âstern St. Gallen und Reichenau geschlossen. Die ├Ąlteste Verbr├╝derungsurkunde, die sich in St. Peter im Original erhalten hat, ist hingegen j├╝nger. Sie stammt aus dem Jahr 1261 und wurde vom steirischen Benediktinerkloster St. Lambrecht ausgestellt.[1] Doch St. Peter pflegte auch davor Verbindungen mit anderen Ordensh├Ąusern einzugehen. Sie sind allesamt im ber├╝hmten Verbr├╝derungsbuch von St. Peter dokumentiert. Das Ansehen eines Klosters und die Anzahl der Verbr├╝derungen h├Ąngen eng zusammen. Mit Kl├Âstern von gutem Ruf ging man gerne eine Verbindung ein und vertraute sich ihnen im Gebet an. Je gr├Â├čer ein Ordenshaus, desto mehr Personal konnte f├╝r das Gebet eingeteilt werden. Gro├če Ordensh├Ąuser bew├Ąltigten im Mittelalter die enormen Gebetsverpflichtungen, die sich aus 200 bis 300 Verbr├╝derungen ergaben. Selbstverst├Ąndlich wurden auch Frauengemeinschaften mit einbezogen. Noch heute werden Verbr├╝derungen zwischen Ordensgemeinschaften abgeschlossen oder erneuert.[2] Ihr Hauptzweck ist das Gebet f├╝reinander und f├╝r die Verstorbenen.

Als die Verbr├╝derung zwischen St. Peter und Nonnberg 1515 erneuert wurde, war St. Peter als Doppelkloster organisiert. Neben der M├Ânchsgemeinschaft (den ÔÇ×br├╝edernÔÇť) lebten an der Stelle des heutigen Franziskanerklosters die Petersfrauen (die ÔÇ×sbesternÔÇť). M├Ąnner und Frauen waren streng voneinander getrennt, unterstanden aber gemeinsam dem Abt, der von 1502 bis 1518 Wolfgang Walcher hie├č. Er kannte Nonnberg vermutlich sehr gut, schlie├člich war er bereits um 1490 dort als Beichtvater t├Ątig gewesen.[3] Nonnberg war zu dieser Zeit ein adeliges Frauenstift, das nachweislich nach der Benediktregel lebte und zu mehr als 100 geistlichen Gemeinschaften eine Verbindung unterhielt.[4] St. Peter stand zur selben Zeit nur mit gut 70 Ordensh├Ąusern in Kontakt.[5] Einer der beliebtesten Prediger dieser Zeit war Johannes von Staupitz, der Freund und ehemalige Vorgesetzte Martin Luthers. Staupitz, der 1522 Abt von St. Peter wurde, pflog ein gutes Verh├Ąltnis zum Kloster Nonnberg.[6]

Aus der Hausgeschichte lassen sich einige aufschlussreiche Details zum Entstehungsumfeld der Urkunde von 1515 ableiten. Leicht l├Ąsst sich der Eindruck gewinnen, dass die Verbr├╝derung in diesem Fall auch dazu gedient hat, Ursula von Trauner mit dem Abt von St. Peter einen Mentor zur Seite zu stellen. Ursula von Trauner war erst anderthalb Jahre vor Ausfertigung der Urkunde als ├äbtissin von Nonnberg eingesetzt worden. ÔÇ×Sie weigerte sich lange, diese B├╝rde zu ├╝bernehmenÔÇť[7], schreibt der Nonnberger Chronist P. Franz Esterl. Diese Haltung ist verst├Ąndlich, denn mit 28 Jahren war Ursula von Trauner f├╝r eine ├äbtissin noch ziemlich jung. Unterst├╝tzung erhielt die junge Ordensobere vermutlich des Weiteren von den Beichtv├Ątern, die St. Peter stellte.[8] Ratschl├Ąge f├╝r ihre Regierung wird sie wohl auch von ihrem Vater, Gabin von Trauner,[9] erhalten haben, der als Hofrichter von St. Peter nachweisbar ist.

Gute Beratung im richtigen Umgang mit dem Salzburger Erzbischof war mit der Existenzfrage verkn├╝pft, wie einige zeitgen├Âssische Beispiele zeigen: Die Salzburger B├╝rgerschaft war 1511 durch Erzbischof Leonhard von Keutschach ihrer Privilegien entledigt worden. Erzbischof Matth├Ąus Lang s├Ąkularisierte 1519 endg├╝ltig das Salzburger Domkapitel.[10] 1583 wurde unter ma├čgeblicher Mitwirkung des Erzbischofs Johann Jakob von Kuen-Belasy handstreichartig das Petersfrauenkloster aufgehoben. Mit den ÔÇ×sbesternÔÇť von St. Peter hatte Ursula von Trauner rund siebzig Jahre zuvor noch die Verbr├╝derung abgeschlossen. Die gute Verbindung machte sich in der schweren Stunde der Klosteraufl├Âsung bezahlt: Eine Schwester des Petersfrauenklosters, Cordula von Mundtenhaim, fand in Nonnberg Zuflucht und wurde 1600 sogar ├äbtissin dieses Klosters.

Der Originaltext der Verbr├╝derungsurkunde des Stiftes Nonnberg mit St. Peter:

ÔÇ×Wyr Ursula von gottes genaden abbtessyn auf dem Nunburg bechennen fur vns dar wir vnser lebenlang allen br├╝edern vnd sbestern des wirdigen gotzhauss zw sandt peter wellen haben lasen nach Iren sterben acht niess vnd wir selbs wellen In beten so wir In gesundt seyn syben long vigyl vnd xxx deprofundis myt demissa reverentia[.] vnd zw zeugknus sollichr als war vnd statt zw halten geben wir dise zetel myt vnser hanndt geschriben vnd aufgetruckten secreta verfertigt vnd ist beschechen nach christy vnsers lieben herren geburt da man zalt M D vnd im XV jar an S colmans tagÔÇť.

Dorsalvermerk von P. Bernhard Viechter OSB, 18. Jh. ÔÇ×Confoederation mit Nunberg 1515ÔÇť.

Siegel: Engel mit dem Wappen Nonnbergs (heraldisch rechts) und der Trauner (heraldisch links). Das Nonnberger Wappen taucht erst im 15. Jahrhundert auf und war in Verbindung mit dem jeweiligen Familienwappen stets Bestandteil der Äbtissinnensiegel.[11] Das dargestellte Wappen der Trauner zeigt einen ganzen aufspringen Bock.[12]

[1] Zu den Verbr├╝derungen allgemein und zu St. Peter im Speziellen siehe Hirtner, 2014 und Hermann, 1968.
[2] Gebetsverbr├╝derung zwischen St. Peter und Wilten. URL: http://www.erzabtei.at/de/neuigkeiten/detail.asp?id=296&tit=Erneuerung%2520der%2520Gebetsverbruederung%2520mit%2520dem%2520Praemonstratenserstift%2520Wilten%2520in%2520Innsbruck [Stand: 31.8.2015]
[3] Lindner, 1906, 18.
[4] Schmidt-Sommer/Bolschwing, 2002, 218-219.
[5] Hirtner, 2014, 32.
[6] Esterl, 1841, 92-93.
[7] Esterl, 1841, 86.
[8] Lindner, 1906, 301.
[9] Esterl, 1841, 86.
[10] Winkler/Krassnig/Brandes, 2005, 333-336.
[11] Schmidt-Sommer/Bolschwing, 2002, 262.
[12] Vgl. Die Wappen des Adels in Salzburg, 1979, 69 und Taf. 28.