Abschrift des Kaufbriefs ├╝ber die Herrschaft Mattsee

  • Entstehungszeitraum: 17. Jahrhundert
  • Entstehungsort: Salzburg
  • Objektart: Archivale (Urkundenabschrift)
  • Autor/K├╝nstler: unbekannt
  • Artikel-Autor: Wolfgang Neuper
  • Material/Technik: Papier, 1 Lage
  • Gr├Â├če: H: 30,6 cm; B: 20,2 cm
  • Standort/Signatur: Archiv der Erzdi├Âzese Salzburg/AT-AES 1.2 5/1/14
  • Physisch benutzbar: ja
  • Literatur:

    Heinz Dopsch, Salzburg im Hochmittelalter, in: Geschichte Salzburgs. Stadt und Land, Bd. I/1, hg. von Heinz Dopsch/Hans Spatzenegger. Salzburg 1981, S. 341ÔÇô346.
    Heinz Dopsch, Dorf und Herrschaft Mattsee im Mittelalter, in: Mattsee. Chronik, red. von Gerda Dohle/Oskar Dohle. Mattsee 2005, S. 51ÔÇô72.
    Wilhelm Erben, Quellen zur Geschichte des Stiftes und der Herrschaft Mattsee (Fontes Rerum Austriacum 2/49). Wien 1896, S. 178.

image_pdfimage_print

Dem Erzbischof von Salzburg gelang es im Sp├Ątmittelalter, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet aufzubauen. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts war Salzburg ein eigenes geistliches F├╝rstentum mit dem F├╝rsterzbischof als geistliches und weltliches Oberhaupt. An der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert hatte dieses neue Land Salzburg seine gr├Â├čte Ausdehnung und die st├╝ckweise Erwerbung des heutigen Flachgaus fand mit dem Kauf der Herrschaften Mattsee und Stra├čwalchen 1398 ihren Abschluss. Das Erzstift Salzburg blieb bis zur im Reichsdeputationshauptschluss 1803 verf├╝gten S├Ąkularisation bestehen und kam nach einigen wechselvollen Jahren 1816 endg├╝ltig zu ├ľsterreich.

Erzbischof Eberhard II. ÔÇô ÔÇ×Vater des Landes SalzburgÔÇť
Unter Erzbischof Eberhard II. (1170ÔÇô1246, ab 1200 Erzbischof), ein Parteig├Ąnger Kaiser Friedrichs II. und Vermittler zwischen Kaiser und Papst, kam es durch die Erwerbung von Grafschaften und Herrschaften und durch den Einzug von Vogteirechten zum Aufbau eines gro├čen geschlossenen Territoriums. Er wird daher oft als ÔÇ×Vater des Landes SalzburgÔÇť bezeichnet. W├Ąhrend die benachbarten Bist├╝mer Brixen und Trient damals von ihren weltlichen Schutzherren (V├Âgten), den Grafen von Tirol, in das werdende Land Tirol eingebunden wurden, setzte Eberhard in Salzburg die Entmachtung der V├Âgte durch. Rechtsprechung und Verwaltung ├╝bertrug er den von ihm eingesetzten Beamten und sicherte damit den Bestand der geistlichen Herrschaft f├╝r Jahrhunderte. Eberhard II. zog die Vogteirechte der Grafen von Peilstein ein, erwarb alle Rechte im Lungau, wurde mit den Grafschaften im Ober- und Unterpinzgau belehnt und sicherte sich das Herrschaftsgebiet der Grafen von Lebenau.

Die Nachfolger Eberhards II. setzten diese Erwerbspolitik fort und so gelangten die Grafschaftsrechte im Lungau, die Herrschaften und Gerichte der Grafen von Plain und das Gasteinertal an die Erzbisch├Âfe von Salzburg. Die einzelnen Gebiete der Salzburger Kirche bildeten jedoch noch kein geschlossenes Gebiet. Vielmehr mussten die Erzbisch├Âfe in m├╝hevollen Einzelaktionen ÔÇô durch Kauf, Verpf├Ąndung, gewaltsame Eroberung oder erzwungene Lehensauftragung ÔÇô Burgen, Grundbesitz und Eigenleute in Grafschaften, Gerichtsbezirken und Herrschaften vom dort ans├Ąssigen Adel erwerben.

Die Losl├Âsung von Bayern
Die Erzbisch├Âfe von Salzburg waren zwar Reichsf├╝rsten und bauten sich ein geschlossenes Herrschaftsgebiet auf, doch galt dieses immer noch als Teil des Herzogtums Bayern.

Die landrechtliche L├Âsung von den Herzogt├╝mern Bayern und K├Ąrnten und damit die Anerkennung als eigenes Land gelang Salzburg erst in der ersten H├Ąlfte des 14. Jahrhunderts (Schlacht bei M├╝hldorf 1322, Landesordnung 1328). Gerade die Landesordnung 1328 war eine demonstrative Abkehr vom Bayerischen Rechts- und Friedensbereich. In der Bergordnung f├╝r Gastein und Rauris 1342 sprach Erzbischof Heinrich von Pirnbrunn erstmals von seinem ÔÇ×LandÔÇť. Mit dieser Losl├Âsung verlor Salzburg allerdings die Stellung als Metropolitansitz der bayerischen Kirchenprovinz.

Der Erwerb der Herrschaft Mattsee
In der Mitte des 14. Jahrhunderts war die Herrschaft Mattsee noch nicht endg├╝ltig Teil des Landes Salzburg, denn sie gelangte als letzter Teil des heutigen Bundeslandes 1398 endg├╝ltig von Passau zu Salzburg. Bereits 1357 musste Bischof Gottfried von Passau die f├╝r das Bistum aufgrund der Lage im Grenzgebiet zwischen Bayern und Salzburg strategisch bedeutende Burg Mattsee an Erzbischof Ortolf von Salzburg verpf├Ąnden. Danach waren Herrschaft und Burg in der Hand der Kuchler, der Aichhaimer und des Ritters Mertein von der Alm, bis Bischof Georg von Passau und sein Domkapitel 1390 gezwungen waren, Burg, Herrschaft und Pfleggericht Mattsee an den energischen Salzburger Erzbischof Pilgrim II. zu verkaufen. Die endg├╝ltige Sicherung der Herrschaft Mattsee gelang erst seinem Nachfolger Erzbischof Gregor Schenk von Osterwitz, der sie am 12. April 1398 mit allen Urbaren und Zugeh├Âren, dazu auch das Gericht auf dem H├Âchfeld mit dem Markt Stra├čwalchen, von Bischof Georg von Passau um 15.000 Pfund Wiener Pfennige erwarb.

Die Pfarren in der Herrschaft Mattsee
Dass sich weltlicher und geistlicher Herrschaftsbereich nicht decken m├╝ssen sieht man daran, dass das Bistum Passau bis ins 19. Jahrhundert das geistliche Oberhaupt von Mattsee und dem Stift blieb. Obwohl die Herrschaft bereits 1398 vom Salzburger Erzbischof erworben wurde, kamen die Stiftspfarre Mattsee und ihre Filialen Obertrum, Schleedorf und Seeham erst 1807/08 kirchlich zur Erzdi├Âzese Salzburg.

Das Ende des geistlichen F├╝rstentums
Das eigenst├Ąndige Erzstift Salzburg blieb bis zur S├Ąkularisation 1803 bestehen. Seit 1803 bildete das Gebiet des ehemaligen geistlichen F├╝rstentums Salzburg bis 1805 mit Berchtesgaden sowie den Pfr├╝nden des Hochstiftes Passau und des Bistums Eichst├Ątt das Kurf├╝rstentum Salzburg. Von 1805 bis 1809 bestand das habsburgische Herzogtum Salzburg, zu dem auch Berchtesgaden geh├Ârte. 1809 stand Salzburg unter franz├Âsischer Verwaltung und ab 1810 war es als Salzachkreis ein Teil Bayerns, wobei die alte Salzburger Stadt M├╝hldorf zum Isarkreis und Matrei zu Villach geschlagen wurden. Nach dem Wiener Kongress kam Salzburg 1816 endg├╝ltig zu ├ľsterreich und wurde als f├╝nfter Kreis an das Land ob der Enns angegliedert.

Das Land- und Pfleggericht Mattsee bestand auch noch in der Habsburgermonarchie und wurde als Bezirksgericht erst in der Zwischenkriegszeit 1923 aufgel├Âst.

Transkription
Die Originalurkunde vom Kauf der Herrschaft Mattsee liegt im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien. Daneben gibt es allerdings Abschriften im Stiftsarchiv Mattsee (z. B. im Mattseer Traditionsbuch) und in den Salzburger Kammerb├╝chern sowie Einzelkopien. Diese Abschrift aus dem Archiv der Erzdi├Âzese Salzburg stammt aus dem 17. Jahrhundert und entspricht nicht dem originalen Wortlaut der mittelalterlichen Urkunde, sondern ist dem fr├╝hneuzeitlichen Sprachstil entsprechend verfasst. Au├čerdem ist das Eschatokoll (Schlussteil) in der Abschrift stark gek├╝rzt. Das Datum ist in der Originalurkunde mit Freytag in der Osterwochen Nach Krists gepurd dreczehenhundert Jar und darnach in dem Acht und Newntzigisten Jare angegeben.

W├╝r J├Ârig [Georg] von Gottes Genaden Bischove
zu Passau, Ich Otto von Layming Thum Probst,
Ich Hanns von Sayging Dechant und des ganzen
Capitul des Gottshaus zue Passau bekhen=
nen f├╝r uns und all unser Nachkhommen
und thuen khundt offentlich mit dem brief
allen die ihn sechen oder h├Âren l├Ąsen, da├č
w├╝r vleissigklig betracht haben und ange=
sechen haben die gro├čmerkhlich Geltschuld
und Notturfft, darin unser Gottshaus da=
selbst zu Passau von schweren langen Khriegen
und mancherlay hertter Le├╝[tt] und Sachen wegen
gefallen ist, davon w├╝r t├Ąglich gro├č Unkher
und verderblich Sch├Ąden gelitten und lange
Zeit genommen haben, und darumben haben
w├╝r mit gueter Vorbetrachtung und zeitigen
Rath des Ehrw├╝rdigen unsers obgenannten
Capitels, und ander unser, und unsers Gotts=
haus R├Ąth und lieben Gethreuen dem Ehr=
w├╝rdigen in Gott Vatter unserem genedigen
Herren Gregorien, Erzbischoven zue Salzburg
Legaten des Stuels zu Rom [etc.] seinen Nachkhomen
und Gottshaus, verkhaufft und zu khauffen geben
haben, und geben auch wissentlich in Craft dieses
Berichts, unser und unsers gottshaus Herrschaft
und Vesst zu Mattsee, mit allen Urbaren und
Zugeh├Âren, mit Leithen, mit Gueth, mit Man=
schaft, mit Gericht, mit Vogtey mit Aigenschafft-
Leith und G├╝ether, mit Wildtp├Ąn, mit Geiaidt,
mit Vischwaidt mit Veldern, Holz Waidt, Wie├čmadt,
Wasserleuffen, mit Z├╝gen, gehn der Stra├č,
mit allen Ehren, W├╝rden, N├╝zen, Gesuechen,
und Gew├Ąlden, die von Recht oder von alter Her=
khommen seind, Gewonheit darzuegeh├Âren. Und
als w├╝r und unser Gottshaus zu Passau,
das in Nuz-Gwalt, und Gwer hergebracht
haben umb funffzechentausent Pfundt gueter
Wiener Pfenning, der w├╝r ganz und gar, von
ihn gericht, und gewerth sein ohne all unserem
Schaden. So haben w├╝r auch all Aigenschafft
geweldt und Zuegeh├Ârung, die w├╝r und unser
Gottshaus [zu Pazzaw] daselbst zu Mattsee gehabt, und auch
in Nuz und Gwer herbracht haben, ihn gar
und ganz verkhaufft und geben. Geben auch
wissentlich mit dem brief, aus unser und
unsers gottshaus zu Passau Handt-Gewalt, Nuz
und Gwer, in sein, seines gottshaus zu Salz=
burg, und seinen Nachkhommen, sandt Gwalt
Nuz und Gwer, ewiglich, als ander ihr aigen
Gueth zu besizen, ohn unser, unser nachkhomen
und gottshaus zue Passau, und aller weniglich
Irrung und Widerredt; wan w├╝r uns daran
khein Recht behalten w├Âllen in weltlichen Sachen
wenig noch vill, ohn alles gev├Ąre, ausge=
nommen nemblich die Lechenschafft der Probstey
der kh├╝rchen daselbst zu Mattsee, und aller
Bischoflichen Rechten, die haben w├╝r uns, un=
seren Gottshaus und allen unseren Nachkhommen,
Bischouen zu Passau genzlich behalten, als
unser Vorfodern, w├╝r und unser Gottshaus,
das alles von alter daselben gehabt hat, und
auch ausgenommen mit namme aller deren
Rechten, die ein Probst, Dechant und Chorherr
und das Capitl dbst [daselbst] zu Mattsee habent, die
recht alle sollen unverrukht bleiben, sunder sye
sollen bestehen und bleiben in aller mass,
als die von alter seind herkhommen, schlechlich
und ohn alles Gev├Ąr. Mit Urkhundt unter
unseren und unsers Gottshaus Sigill geben
zu Passau Donnerstag, nach den heiligen Oster=
tag Anno Domini 1398.