Adelsbrief fĂĽr Sigmund Haffner (Hafner) d. J.

  • Entstehungszeitraum: 29. Juli 1782
  • Entstehungsort: Wien
  • Objektart: Adelsbrief
  • Autor/KĂĽnstler: Kaiser Josef II.
  • Artikel-Autor: Thomas Weidenholzer
  • Material/Technik: Pergament, Tinte, Siegel in vergoldeter Kapsel; Wappen in Gouache
  • Größe: 17 Seiten; 36,5x27cm
  • Standort/Signatur: Stadtarchiv Salzburg, Standeserhebungsdiplome und Wappenbriefe 10
  • Physisch benutzbar: ja
  • Literatur:

    Rudolph Angermüller, „Ein seliger Menschenfreund“. Sigmund Hafner, Edler und Ritter zu Innbachhausen (1756–1787), in: Salzburg Archiv 33, Salzburg 2008, S. 213–274.
    Robert Landauer, Beiträge zur Salzburger Familiengeschichte: 10. Hafner von Innbachhausen, in: Franz Martin (Hg): Hundert Salzburger Familien, Salzburg 1946, S. 59 f.
    Franz von Lospichl, Die Familien Haffner und Triendl. Ein Beitrag zur Salzburger Familien- u. Unternehmergeschichte, Salzburg 1970.
    Peter F. Kramml, Sabine Veits-Falk u. Thomas Weidenholzer, Stadt Salzburg. Geschichte in Bildern und Dokumenten (Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg 16), Salzburg 2002.

image_pdfimage_print

1782 wurde der Salzburger Großhändler Sigmund Haffner der Jüngerer in den Reichsritterstand mit dem Prädikat „Edler von Innbachhaussen“ erhoben. Aus diesem Anlass komponierte Wolfgang Amade Mozart die Haffner Symphonie (KV 385).

Einer der reichsten Wirtschaftstreibenden der Stadt Salzburg war Sigmund Haffner (auch Hafner) der Ältere (1699–1772). Seine Lebensgeschichte zeigt exemplarisch, dass das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben der Stadt von wenigen Familien der Großkaufleute dominiert wurde, die auch häufig den Bürgermeister – Haffner bekleidete von 1768 bis 1772 das Bürgermeisteramt – stellten, im Stadtrat vertreten waren und sich aus ganz unterschiedlichen Beweggründen für das Allgemeinwohl einsetzten. Der gebürtige Tiroler, der in das Salzburger Handelshaus Laimprucher eingeheiratet hatte und 1733 zum Bürger aufgenommen worden war, erwarb ein riesiges Vermögen. Bei der durch die europaweite Hungersnot bedingten Teuerung in den Jahren 1770/71 gewährte er der Stadt für den Ankauf von Getreide einen zinsenfreien Kredit von 200.000 Gulden.

Sein Sohn, Sigmund Haffner der Jüngere (1756–1787), der beim Tod seines Vaters erst 16 Jahre alt und von schwächlicher Gesundheit war, überließ die Führung des Handelshauses seinem Schwager Anton Triendl.

Die nicht-standesgemäßen Heiratsabsichten Sigmunds waren in den ausgehenden 1770er Jahren Stadtgespräch, an dem sich auch Leopold Mozart despektiert beteiligte. Der „Sigerl“ zeichne sich durch „erstaunliche Narrheit“ aus, meinte er, „eine Frucht schlechter Erziehung und die Traurige Folge der zu vielen Freyheit“. Sigmund wolle, so berichtetet Leopold Mozart an seine Frau und seinen Sohn 1778 nach Paris, „die Köchin [Maria Anna Meindl aus Uttendorf im Innviertel] vom verstorbenen Obersten Graf Prank“ heiraten, ein „abscheuliches schwarzes Mensch“ mit einem „grosaugeten völligen Affengesicht“. Mehrfach schrieben sich die Mozarts über den Fortgang der „Liebshistorie“, um schließlich erleichtert zu konstatieren, dass „der vernunft Platz gegeben“ worden sei.

Sigmund Haffner gab beträchtliche Summen seines Vermögens sowohl für ein Leben in Luxus als auch für großzügige Unterstützungen der Armen aus. 1782 erhob ihn Kaiser Josef II. in den Reichsritterstand mit dem Prädikat „Edler von Innbachhaussen“ (Innbach oder Imbach, alte Schreibweise von Jenbach in Tirol, dem Geburtsort seines Vaters). Das Adelsdiplom erklärt die Verleihung des Titels damit, dass sich sein Vater als Großhändler besonders verdient gemacht und er die Großhandlung in noch „größerem Flore“ fortgeführt habe. Für die Feierlichkeiten aus Anlass der Erhebung Sigmund Haffners in den Adelsstand, komponierte Mozart 1782 auf Ersuchen seines Vaters innerhalb von zwei Wochen die sogenannte Haffner-Symphonie (KV 385). Haffner hatte bereits 1776 zur Hochzeit seiner Schwester Maria Elisabeth mit dem Handelsfaktor Franz Xaver Späth bei Mozart die sogenannte Haffner-Serenade in Auftrag gegeben.

In seinem Testament, mit dem er als einer der größten Wohltäter in die Geschichte der Stadt Salzburg einging, stiftete er 396.000 Gulden für sozial-karitative Zwecke. Während sein Schwager und Erbe seine Zurechnungsfähigkeit bezweifelte, wollte Erzbischof Colloredo Haffner ein Denkmal setzen lassen, das aber nie errichtet wurde. 1873 benannte die Stadt die ehemalige Kirchgasse nach ihm.