Panorama von Salzburg

  • Entstehungszeitraum: 1866
  • Entstehungsort: Salzburg
  • Objektart: Fotografie
  • Autor/KĂŒnstler: Baldi & WĂŒrthle
  • Artikel-Autor: Thomas Weidenholzer
  • Material/Technik: Albumin
  • GrĂ¶ĂŸe: 20x71 cm
  • Standort/Signatur: Archiv der Stadt Salzburg, Fotosammlung 5.950
  • Physisch benutzbar: ja
  • Literatur:

    Thomas Weidenholzer, Salzburger Fotografien 1880–1918. Aus dem Fotoatelier WĂŒrthle, 3. verb. Aufl. (Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg18), Salzburg 2011.

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1866 veröffentlichte das Salzburger Fotoatelier Baldi & WĂŒrthle vier große Hemioramen (Halb-Panorama-Aufnahmen) der Stadt Salzburg. In der Salzburger Zeitung hieß es, die „pantascopischen Aufnahmen“ wĂŒrden sich „durch eine außerordentliche SchĂ€rfe und Klarheit“ sowie durch einen „tiefen, weichen Ton“ auszeichnen. Das Panorama zeigt die Stadt Salzburg am Beginn der Stadterweiterung in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Bilder wurden mit einer damals neu auf den Markt gekommenen, von Emil Busch entwickelten Pantoscop-Kamera, die erstmals ein Weitwinkelobjektiv verwendete, aufgenommen.

Das Panorama, fotografiert vom gut 600 Meter hohen Kapuzinerberg aus, folgt einem beliebten Blick auf die Stadt, den schon Vedutisten frĂŒherer Jahrhunderte eingenommen hatten. Der Fotograf prĂ€sentiert die Stadt als „schöne Stadt“ vor einer beeindruckenden Gebirgsszenerie. Man ist wohl an den Alexander Humboldt zugeschriebenen Ausspruch, der so nie gefallen ist, erinnert, dass Salzburg, Neapel und Konstantinopel zu den schönst gelegenen Gegenden der Welt gehörten. Jedenfalls ist dieses Panorama, genauso wie der kolportierte Ausspruch Humboldts, Tourismuswerbung.

Salzburg hatte den „Fremdenverkehr“ fĂŒr sich entdeckt und schickte sich an, sich zur „Saisonstadt“ zu entwickeln. „Sommerfrischler“ were welcome. Eisenbahn und Stadterweiterung beflĂŒgelten den Tourismus. Erste Hotels (Nelböck 1861, Hotel de l’Europe 1865, Österreichischer Hof 1866) öffneten, 1868 nahm die Badeanstalt ihren Betrieb auf, 1872 wurden Kursalon und Kurpark ihrer Bestimmung ĂŒbergeben. Die boulevardartige Schwarzstraße vermittelte den Eindruck von MondĂ€nitĂ€t, weitere touristische Attraktionen folgten.

Auch der Blick auf die Stadt offenbart die Versuche, Anschluss an die neue Zeit zu finden. Noch engt die barocke Festungsmauer am sĂŒdöstlichen Rand die Entwicklung der Stadt ein, aber offene LĂ€ngswerke im Flussbett befördern die Verlandung, ein Prozess der im Norden (rechts im Bild) bereits abgeschlossen ist und BaugrĂŒnde gewonnen sind. Der Turm der Franziskanerkirche (ehemals Pfarrkirche) verliert gerade seine barocke Zwiebelhaube, um einem neugotischen Spitzturm Platz zu machen. Noch prĂ€sentiert sich der RĂŒcken des Mönchsberges unbewaldet. Ehedem hatten die Kanonen der Festung freie Schussbahn verlangt. Salzburgs Weg zu UrbanitĂ€t und Modernisierung wurde durch die Weltwirtschaftskrise der 1870er Jahre unterbrochen.