Theatergruppe des Borromäums Salzburg

  • Entstehungszeitraum: 1869
  • Entstehungsort: Salzburg
  • Objektart: Fotografie
  • Autor/Künstler: unbekannt
  • Artikel-Autor: Gerald Hirtner
  • Material/Technik: Salzpapier (?) auf Karton
  • Größe: 15,2 x 20,8 cm
  • Standort/Signatur: Archiv der Erzabtei St. Peter, Foto C 18
  • Physisch benutzbar: ja
  • Literatur:

    Archiv der Erzabtei St. Peter, Foto C 17 (Borromäumstheater 1868).
    Ausweis des Fürsterzbischöflichen Collegium Borromaeum zu Salzburg am Schlusse des Schuljahres, 18 und 19, 1868 und 1869.
    Art. Altenweisel Josef, Bischof. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, I, 1957, S. 16.
    Regesta Ecclesiastica Salisburgensia. URL: http://www.res.icar-us.eu [Stand 22.9.2015]

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Ein Bischof spielt Theater! 22 Schüler des Borromäums Salzburg betraten 1869 die Bühne, um gemeinsam ein Stück zum Besten zu geben. Einer von ihnen betrat Jahre später als ranghoher Geistlicher die Bühne der Öffentlichkeit.

Die Lehranstalt Collegium Borromäum besteht seit 1848, nachdem Erzbischof Friedrich Kardinal Schwarzenberg bereits Jahre zuvor die Förderung talentierter Schüler verstärkt hatte. Benannt ist das fürsterzbischöfliche Collegium nach dem Hl. Karl Borromäus. Ihren Standort hatte die Schule damals in der Dreifaltigkeitsgasse, dem heutigen Mozarteum.

In den Jahresberichten des Collegium Borromäum werden zwar keine Theateraufführungen genannt, den Kostümierungen zufolge dürfte es sich aber um einen historisierendes, mittelalterliches Stück gehandelt haben, das wohl am Ende des Schuljahres gespielt wurde. Die Aufführung war kein singuläres Ereignis, wie eine weitere Fotografie aus dem Jahr 1868 beweist: Auch in diesem Jahr präsentierte sich eine Schülergruppe in ähnlichen, historisierenden Kostümen.

Unser Wissen über die Theatertruppe des Borromäums Salzburg von 1869 verdanken wir einem Benediktiner von St. Peter in Salzburg. Die Beschriftung auf der Bildvorderseite stammt von P. Willibald Hauthaler (1843–1922), der selbst Schüler des Borromäums war und 1862 in das Kloster St. Peter in Salzburg eintrat. Dem Gymnasium blieb er treu verbunden, denn von 1874 bis 1901 wirkte er hier als Professor und er leitete die Schule zudem einige Jahre als Direktor. Hauthaler hat uns folgende Informationen überliefert:

„Borromäumstheater 1869
Kostenzer Joh. [Thomas] Speher [Joseph] Leitner [Alexander] Straubinger [Karl] Ebmer [Johann] Schnöll Wiener [Joseph Winner]
[Johann] Egger [Titus] Raith [Georg] Fleißner
[Josef] Altenweisel Schmidbauer [Stephan Schmidberger ?] Winkler L.[orenz] [Ludwig] Hunrath [Michael] Osterauer“.

Als Schauspieler traten Schüler der vierten bis achten Klasse hervor – und es waren nicht nur Vorzugsschüler darunter. Die meisten von ihnen waren finanziell bedürftig und wurden daher von der Kaiserinwitwe Carolina Augusta (1792–1873) gefördert, wie den Jahresberichten zu entnehmen ist.

Unter den Genannten sind einige bekannte Namen des Salzburger Klerus zu finden: Joseph Winner (1850–1917) war später beispielsweise Rektor der Wallfahrtskirche Maria Bühel bei Oberndorf. Johann Kostenzer (1851–1912) leitete die Stadtpfarre Radstadt. Joseph Leitner (1851–1901) wurde Dechant in Thalgau und sein Klassenkollege Karl Ebmer (1851–1905) Direktor des Borromäums Salzburg.

Die berühmteste Person ist jedoch Joseph Altenweisel, der spätere Fürstbischof von Brixen. Joseph Altenweisel wurde 1851 in Niederndorf, im Tiroler Anteil der Erzdiözese Salzburg, geboren. Er besuchte das Borromäum in Salzburg, in der siebten Klasse entstand die vorliegende Momentaufnahme. Wenige Jahre nach der Matura, im Jahr 1876, wurde Altenweisel in Rom zum Priester geweiht. Er kehrte zurück nach Salzburg und lehrte zunächst am Borromäum, später an der Theologischen Fakultät. 1904 wurde er zum Fürstbischof von Brixen ernannt. In diesem Amt verstarb er 1912 im Alter von lediglich 60 Jahren. Seine sterblichen Überreste sind im Brixner Dom beigesetzt.