Salzburger Stadtrecht von 1368/71

  • Entstehungszeitraum: 1368/71, ├╝berliefert in einer Handschrift aus dem fr├╝hen 15. Jahrhundert.
  • Entstehungsort: Salzburg
  • Objektart: Libell
  • Autor/K├╝nstler: unbekannt
  • Artikel-Autor: Peter F. Kramml
  • Material/Technik: Papier, Tinte
  • Gr├Â├če: 14 Bl., beidseitig beschr., 30,5cmx22,5cm
  • Standort/Signatur: Stadtarchiv Salzburg, Buchf├Ârmige Archivalien 1a
  • Physisch benutzbar: nein
  • Literatur:

    Heinz Dopsch u. Peter Michale Lipburger, Die rechtliche und soziale Entwicklung, in: Heinz Dopsch (Hg.), Geschichte Salzburgs. Stadt und Land, Bd. I/2, Salzburg 1983, S. 675ÔÇô746.
    Heinz Dopsch, Recht und Verwaltung, in: Derselbe, Geschichte Salzburgs. Stadt und Land, Bd. I/2, Salzburg 1983, S. 867ÔÇô950.
    Peter F. Kramml, Der Erzbischof und seine Residenzstadt Salzburg, in: Heinz Dopsch, Peter F. Kramml. u. Alfred St. Weiss, 1200 Jahre Erzbistum Salzburg. Die ├Ąlteste Metropole im deutschen Sprachraum (Salzburg Studien 1), Salzburg 1999, S. 103ÔÇô130.
    Peter Michael Lipburger, B├╝rgerschaft und Stadtherr. Vom Stadtrecht des 14. Jahrhunderts zur Stadt- und Polizeiordnung des Kardinals Matth├Ąus Lang, in: Vom Stadtrecht zur B├╝rgerbeteiligung. Festschrift 700 Jahre Stadtrecht von Salzburg (Salzburger Museum Carolino Augusteum. Jahresschrift 33), Salzburg 1987, S. 40ÔÇô63.
    Peter F. Kramml, Sabine Veits-Falk u. Thomas Weidenholzer, Stadt Salzburg. Geschichte in Bildern und Dokumenten (Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg 16), Salzburg 2002.

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Nach der Trennung des geistlichen F├╝rstentums vom Mutterland Bayern gelang es auch dem aufstrebenden B├╝rgertum, seine Rechte auszuweiten. Ausdruck dieses Emanzipationsprozesses ist das Stadtrecht aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, das in Form eines Weistums geltendes Gewohnheitsrecht kodifizierte und das Stadtrecht von 1287 ersetzte.

Erst 150 Jahre nach der Stadtwerdung erhielt Salzburg das erste schriftliche Stadtrecht. Nach Auseinandersetzungen innerhalb der B├╝rgerschaft erlie├č Erzbischof Rudolf von Hohenegg als Stadtherr 1287 den als ÔÇ×S├╝hnebriefÔÇť bezeichneten Stadtfrieden und f├╝gte diesem ein in zehn Artikel gegliedertes Stadtrecht hinzu, das die Rechte und Pflichten der B├╝rger, Bestimmungen ├╝ber die Verteidigung der Stadtmauern, den Liegenschaftsverkehr und das Bauwesen enthielt. F├╝r die kommunale Verwaltung ist neben den ausf├╝hrlichen Bestimmungen ├╝ber die Verwahrung des Stadtsiegels jener Passus von Bedeutung, der die Rechte der ÔÇ×GenanntenÔÇť regelte. Die Genannten, die Beisitzer im Stadtgericht unter Vorsitz des Stadtrichters, durften keine wichtigen Entscheidungen in st├Ądtischen Angelegenheiten treffen, wenn nicht alle sowie der erzbisch├Âfliche Stadtrichter versammelt waren.

Im fr├╝hen 14. Jahrhundert erfolgte die endg├╝ltige Trennung des geistlichen F├╝rstentums vom Mutterland Bayern und Salzburg war nun nicht nur Residenzstadt des Metropoliten sondern auch Hauptstadt eines eigenen Landes. Das aufstrebende B├╝rgertum konnte in dieser Zeit seine Rechte ausweiten. Der mit ÔÇ×Gunst, Rat und HilfeÔÇť der Erzbisch├Âfe erlangte Rechtsstand wurde 1368/71 in Form eines Weistums aufgezeichnet. Die neue, umfangreiche Rechtssammlung, die an die Stelle des Stadtrechtes von 1287 trat, hielt in 131 Artikeln das geltende Gewohnheitsrecht fest und wurde j├Ąhrlich ├Âffentlich verlesen, um die Genannten in ihre Aufgaben einzuf├╝hren und den B├╝rgern das geltende Recht zu vermitteln.

Dieses Salzburger Stadtrecht belegt eine relative st├Ądtische Autonomie. An b├╝rgerlichen Freiheitsrechten sind Steuerfreiheit, Maut- und Zollfreiheit in der Stadt, die Lehensf├Ąhigkeit sowie die freie Heirat in St├Ądte anderer F├╝rsten zu nennen. Die kommunale Emanzipation wird mit der Nennung des Rates signalisiert, der f├╝r Salzburg erstmals terminologisch fassbar wird. ├ťber nachgewiesene Vergehen sollte das Stadtgericht, das mit den Genannten und den Mitgliedern des Stadtrates besetzt war, urteilen. Die insgesamt zw├Âlf Genannten sollten einmal w├Âchentlich zu den Ratssitzungen zusammentreten. Zu den Aufgaben der B├╝rger z├Ąhlte es auch, die vier T├╝rme auf dem M├Ânchsberg und alle Stadttore in Verteidigungsbereitschaft zu halten. Au├čerdem durfte die B├╝rgerschaft eigene Amtleute anstellen.

Auffallend an den ausf├╝hrlichen Bestimmungen ├╝ber die Rechte der B├╝rger ist, dass noch kein B├╝rgermeister erw├Ąhnt wird. Dieses nach dem Stadtrichter wichtigste Amt muss kurz darauf geschaffen worden sein. Erster namentlich bekannter B├╝rgermeister ist Konrad Taufkind (ÔÇá 1382). In einer Urkunde, die er 1378 als Stadtrichter ausstellte, erinnert er an sein Wirken als B├╝rgermeister. Da Taufkind ab 1374 als Stadtrichter fungierte, ist seine Funktionsperiode als B├╝rgermeister in die Jahre um 1370 bis 1374 zu datieren. Die jeweils amtierenden zwei kollegialen B├╝rgermeister, die der Erzbischof entweder selbst bestimmte oder zumindest endg├╝ltig best├Ątigte, sind ab 1375/76 namentlich bekannt.