Das Testament der Maria Theresia Zechner

  • Entstehungszeitraum: 30. Januar 1730
  • Entstehungsort: Hallein
  • Objektart: Archivale (Testament)
  • Autor/Künstler: Maria Theresia Zechner
  • Artikel-Autor: Christine M. Gigler
  • Material/Technik: Papier, 4 Bll., Fadenheftung
  • Größe: H: 34,2 cm; B: 21,7 cm
  • Standort/Signatur: Archiv der Erzdiözese Salzburg, AT-AES 1.2 11/6
  • Physisch benutzbar: ja
  • Literatur:

    Franz Ortner, Theresia Zechner 1697–1763 und die Halleiner Schulschwestern 1723–1997. Eine Antwort auf die Zeichen der Zeit (Salzburg 1997).
    Christine M. Gigler, „[…] miteinander in geistlichen Ordensüebungen, dan Unterrichtung der unschuldigen Mägdlein und Verferttigung der Kürchen Arbeithen gottseelig zu leben […]“. Die Entstehung und innere Organisation der Kongregation der Halleiner Schwestern-Franziskanerinnen im 18. Jahrhundert, in: Between Revival and Uncertainty. Monastic and Secular Female Communities in Central Europe in the Long Eighteenth Century. Zwischen Aufbruch und Ungewissheit. Klösterliche und weltliche Frauengemeinschaften in Zentraleuropa im „langen“ 18. Jahrhundert, hgg. v. Veronika Čapská/Ellinor Forster/Christina Maegraith/Christine Schneider (Opava 2012), S. 219–240.

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Maria Theresia Zechner, die Tochter einer angesehenen und wohlhabenden Halleiner Bürgerfamilie, begründete in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts den Orden der Halleiner Schwestern Franziskanerinnen (früher: Halleiner Schulschwestern). Die Halleiner (Schul-)Schwestern sind der einzige Orden, der auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Salzburg entstand und bis in die Gegenwart aktiv ist.

Maria Theresia Zechner und die Gründung des Ordens der Halleiner Schwestern-Franziskanerinnen (HSF)
Die Gründerin des Ordens der Halleiner (Schul-)Schwestern-Franziskanerinnen (Maria) Theresia Zechner wurde am 23. Juni 1697 in Hallein geboren und starb ebendort am 19. Januar 1763. Sie entstammte einer überaus angesehenen und wohlhabenden Bürger- und Handelsfamilie. 1721 trat sie in den Dritten Orden des hl. Franziskus ein und legte im darauf folgenden Jahr bei den Franziskanern in Salzburg die Profess ab.

Um diese Zeit lebte sie bereits gemeinsam mit ihrer Mutter und einer Bekannten, die beide ebenfalls dem Dritten Orden beitraten, in ihrem Haus in Hallein, wo sie sich der Elementarbildung von Mädchen aus benachteiligten sozialen Schichten widmeten, die sonst keinerlei Möglichkeit zum Erwerb von Bildung hatten. Diese erhielten anfangs eine handwerklich-praktische Ausbildung, später wurden auch verschiedene Schulfächer unterrichtet.

Die Bemühungen der Stifterin und ihrer Nachfolgerinnen um die offizielle Anerkennung als geistliche Gemeinschaft blieben das ganze 18. Jahrhundert hindurch vergeblich. 1758 wurde von Erzbischof Siegmund von Schrattenbach (1753–1771) aber immerhin die Duldung ihrer „Versammlung“ ausgesprochen.

1821 erhielt die Schule des Schwesterninstituts, das die allgemeine Aufhebung des Dritten Ordens von 1782 überdauert hatte, das Öffentlichkeitsrecht. Damit war die rechtliche Angerkennung seitens der weltlichen Behörden erfolgt. Diejenige der kirchlichen Behörden wurde zwei Jahre später mit der Verabschiedung der ersten Statuten für das Regelhaus durch das fürsterzbischöfliche Konsistorium am 5. Februar 1823 wirksam. Die Approbation als religiöser Orden im Sinn der Stifterin mit der Ablegung feierlicher Gelübde war damit jedoch noch immer nicht realisiert. Dies war erst im Juni 1904 der Fall, als die Kongregation der Halleiner Schulschwestern dem Franziskanerorden aggregiert wurde. Zwei Jahre zuvor hatten sie durch Erzbischof Johannes B. Katschthaler (1900–1914) zum ersten Mal gedruckte Statuten erhalten. Dieser gestattete ihnen 1911 auch, die ewige Profess abzulegen.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Ausbreitung der Schwesterngemeinde über Hallein hinaus. Auf Initiative der Kaiserinwitwe Karoline Auguste (1792–1873) entstand zunächst 1845 eine Niederlassung in Wien-Erdberg. Danach wurden rasch hintereinander weitere Filialen gegründet. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden über 40 Filialen. Dazu kamen ab 1934 Niederlassungen in Bolivien und Argentinien.

Im April 1940 wurde das gesamte Vermögen der Kongregation wegen „volks- und staatsfeindlicher Betätigung“ zugunsten des Reichsgaus Salzburg eingezogen. Das Mutterhaus in Hallein wurde beschlagnahmt und musste am 15. Mai 1940 endgültig von den letzten Schwestern geräumt werden. Sie erhielten es auch nach dem Ende des 2. Weltkriegs nicht restituiert.

Vorübergehend fanden sie eine Unterkunft in Schloss Aigen, bevor ihnen 1948 das im frühen 17. Jahrhundert erbaute Schloss Emsburg in der Stadt Salzburg übergeben wurde, das bis 2012 der Sitz des Generalats der Halleiner (Schul-)Schwestern war. Im Juni 2010 verkauften die Schwestern die Emsburg; Ende 2012 wurde der Ordenssitz nach Schloss Kahlsperg in Oberalm verlegt.

Weitere Niederlassungen in der Erzdiözese Salzburg gibt es in der Stadt Salzburg, Hallein, St. Johann im Pongau, Altenmarkt, Abtenau und Vigaun. Insgesamt zählt der Orden derzeit rund 120 Mitglieder.

Die „Wiege“ des Ordens
Das eigenhändig geschriebene Testament Maria Theresia Zechners umfasst knapp sechs Seiten und gliedert sich in 19 Punkte. In Punkt 5 ihres Testaments vermachte sie ihr Haus – genannt das Lerchner- oder Pixenschiffter Hauß – mitsamt der Hofstatt, der gesamten Einrichtung und allem sonst noch vorhandenen Vermögen den Schwestern vom 3. Orden des hl. Franziskus, die bereits darin wohnten oder künftig wohnen würden. Sie äußerte die Hoffnung, dass die Gemeinschaft durch den Eintritt weiterer „Jungfrauen“ in das Haus anwächst, wobei es für die neu Eintretenden ebenfalls möglich sein sollte, ihr Vermögen einzubringen.

Als Gegenleistung wünschte sie sich von ihren präsumtiven Erbinnen, dass diese zum allgemeinen Wohlgefallen standes- und regelgemäß leben, eifrig beteten und Gott dienten. Ihre geistlichen Beistände sollten Franziskanerpatres aus Salzburg sein. Für die Bestellung eines ebenfalls erforderlichen weltlichen Verwalters ersuchte sie den Halleiner Magistrat, einen Stadtrat oder sonst geeigneten Bürger dafür zu bestellen. Dieser sollte u. a. auch im Einvernehmen mit einem Pater für die Einhaltung der Ordensregeln seitens der Schwestern Sorge tragen.

1712 hatte Maria Theresia Zechners zum zweiten Mal verwitwete Mutter in Hallein das erwähnte Haus erworben und ihr 1727 übergeben; es wurde später als „Wiege“ der Halleiner Schwestern bezeichnet.

Der letzte Wille Maria Theresia Zechners
Sollten sich beim Tod der Erblasserin und ihrer derzeitigen Mitschwestern – ihrer Mutter Maria Theresia Triebenbacherin und Schwester Elisabeth Stöcklin – keine weiteren Schwestern finden, die in dem Haus leben wollten, so sollte zunächst einmal zehn Jahre gewartet werden und erst nach Ablauf dieser Frist das Haus samt Fahrnis in höchsten werth verkhaufft werden und der Erlös mit dem übrigen Kapital für eine Reihe von genau aufgelisteten Legaten herangezogen werden:

Die Stadtpfarrkirche in Hallein sollte für zwei ewige Seelenmessen 300 fl erhalten, die Bruderschaften und Augustinerpatres insgesamt 100 fl, weiters die Franziskaner in Salzburg für Almosen 100 fl; dem Bürgerspital und dem Bruderhaus in Hallein vermachte sie je 50 fl, dem Armensäckel 100 fl, den Schwestern vom 3. Orden in Hallein, auch wenn sie das Haus nicht übernehmen wollen, 100 fl und falls vor Ort keine Schwestern dieses Ordens ansässig sein sollten, so sollte dieser Betrag den Tertiarinnen in Salzburg zukommen. Die restliche Summe sollten schließlich in drei gleichen Teilen die Augustinerpatres in Hallein, die Franziskaner in Salzburg und die Kapuziner in Radstadt für Seelenmessen erhalten.

Die Intention, die Maria Theresia Zechner mit dem Testament verfolgte, war, die von ihr ins Leben gerufene Initiative abzusichern. Nach ihrem Tod 1763 wurde das Testament offiziell anerkannt, so dass die Schwesterngemeinschaft das Erbe tatsächlich antreten konnte.